Spurenelemente für die Gesundheit - Stellenwert von Eisen

 

Wie häufig ist ein Eisenmangel in Deutschland?

Welche Wirkungen hat Eisen im Körper?

Welche anderen Erkrankungen werden durch einen Eisenmangel beeinflusst?

Wie lassen sich Nebenwirkungen einer Eisenbehandlung vermindern?

Kann eine hohe Eisenzufuhr andere Erkankungen verursachen?

 

Hintergrund

Die Eisenversorgung in Deutschland ist durch zwei Extreme gekennzeichnet. Auf der einen Seite gelten wesentliche Teile der Bevölkerung, insbesondere junge Frauen und Kinder, als Risikogruppen für einen Eisenmangel. Auf der anderen Seite werden gegenwärtig die Gefahren einer hohen Eisenzufuhr für die Entstehung chronischer Erkrankungen diskutiert.
Eisen zählt zu den essenziellen Spurenelementen des Menschen (8). Ein Eisenmangel zählt immer noch zu den häufigsten Mangelerkrankungen weltweit. Der Körper benötigt Eisen für die Hämoglobinbildung und den Sauerstofftransport im Blut. In Deutschland sind mindestens 10 % der Frauen und 3 % der Männer von einem Eisenmangel betroffen.
Dem gegenüber stehen Hinweise über einen möglichen Zusammenhang zwischen einer hohen Eisenzufuhr bzw. einer Eisenüberladung und der Entstehung von Herz-Kreislauferkrankungen, Krebs und Diabetes.


Funktion von Eisen beim Menschen

Eisen ist an zahlreichen Stoffwechselwegen im Körper beteiligt. Als Bestandteil des Hämoglobins (roter Blutfarbstoff) und Myoglobins ist es für den Transport von Sauerstoff verantwortlich. Darüber hinaus spielt es eine bedeutende Rolle bei der Energieversorgung der Zelle und bei der Abwehr von Infektionen. Auch an der Bildung von Neurotransmittern und Hormonen ist Eisen als Kofaktor von Enzymen beteiligt.


Körperbestand

Die Gesamtmenge von Eisen im menschlichen Körper beträgt im Durchschnitt etwa 3 g bei Frauen und ca. 4 g bei Männern. Etwa zwei Drittel des körpereigenen Eisens ist in den Erythrozyten (roten Blutkörperchen) an das Hämoglobin gebunden. Etwa 20 bis 25 % bilden als Ferritin den Eisenspeicher im Körper. Bis zu 15 % des Körpereisens sind in Form von Myoglobin in der Muskulatur oder Enzymen gebunden.


Eisenverluste

Verluste an Eisen treten allgemein durch Hautschuppen, Schweiß, Urin sowie durch den Stuhlgang auf. Bei Frauen kommen Blutverluste infolge der Menstruation hinzu. Der Eisenverlust beim Mann beträgt durchschnittlich etwa 1,2 mg, bei der Frau etwa 1,7 mg pro Tag.
Es reicht jedoch nicht aus, Eisen in Höhe des Verlustes von etwa 1 mg pro Tag mit der Nahrung aufzunehmen. Denn nur etwa 5 bis 15 % des Eisens in der Nahrung ist für den Körper tatsächlich verfügbar. Diese Zusammenhänge wurden in den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) für die Eisenzufuhr berücksichtigt.


Eisenaufnahme

Durch die Höhe der Eisenresorption aus dem Darm wird der Eisenhaushalt reguliert. Bei gefüllten Eisenspeichern ist die Resorption gering, um beim Auftreten eines Eisenmangels deutlich anzusteigen. Ausreichende Eisenspeicher sind bei einem Serum-Ferritin von ca. 60 μg/L erreicht. Bei niedrigeren Werten wird die Eisenresorption im Darm erhöht, bei Werten über 60 μg/L vermindert (13).
Der Mensch kann Eisen aus tierischen Lebensmitteln (Hämeisen) sehr viel besser verwerten als aus Obst, Gemüse und Getreide (Nicht-Hämeisen).
Fleisch ist daher der beste Eisenlieferant. Bei Personen mit ausreichend gefüllten Eisenspeichern liegt die Eisenresorption aus Fleisch bei ca. 20 %, die Resorption von pflanzlichem Eisen hingegen nur bei 3 bis 8 %. Bei Vorliegen eines Eisenmangels werden dann aus pflanzlichen Eisenquellen bis zu 20 % aufgenommen. Die Resorption des Hämeisens aus Fleisch kann bei einem Eisenmangel sogar auf 35 % ansteigen (10).
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Wechselwirkungen von Eisen mit anderen Nahrungsbestandteilen

Die Aufnahme von Hämeisen aus Fleisch, Geflügel und Fisch wird durch andere Nahrungsbestandteile so gut wie nicht beeinflusst. Hingegen wird Resorption von Eisen aus pflanzlichen Quellen durch zahlreiche Nahrungsbestandteile gehemmt. Zu den Hemmstoffen zählen Oxalsäure, Phytat, Lignin und Phosphat, die in Getreide, Reis und Hülsenfrüchten vorkommen. Besonders ausgeprägt wird die Eisenaufnahme verschlechtert durch schwarzen Tee, Kaffee oder Rotwein. Auch die Zufuhr oder calciumreichen Mineralwasser kann die Eisenaufnahme hemmen.

Es gibt hingegen nur wenige Nahrungsbestandteile, die die Eisenaufnahme im Körper fördern. Die größte Bedeutung kommt dabei Vitamin C (Ascorbinsäure) zu. Vitamin C steigert die Resorption von Nicht-Hämeisen. Enthält eine Mahlzeit gleichzeitig Vitamin C, z.B. durch das Trinken von Orangensaft, so wird der Anteil des resorbierten Eisens aus z.B. Haferflocken, Hirse oder Vollkornbrot deutlich erhöht.


Empfohlene Zufuhr von Eisen

Als angemessene Eisengesamtzufuhr für die verschiedenen Altersgruppen gelten nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. folgende Werte (9):

Altersgruppen:
0 bis 4 Monate: 0, 5 mg pro Tag
4 bis 12 Monate: 8 mg pro Tag
1 bis 7 Jahre: 8 mg pro Tag
7 bis 10 Jahre: 10 mg pro Tag
10 bis 15 Jahre: 12 mg/Tag für Jungen und 15 mg/Tag für Mädchen
15 bis 19 Jahre: 12 mg/Tag für Jungen und 15 mg/Tag für Mädchen
19 bis 51 Jahre: 10 mg/Tag für Männer und 15 mg/Tag für Frauen
51 Jahre und älter: 10 mg pro Tag

Schwangere: 30 mg pro Tag
Stillende: 20 mg pro Tag


Obergrenzen für eine langfristige Zufuhr von Eisen

Der „Tolerable Upper Intake Level“ (kurz UL) bezeichnet die maximale langfristige Gesamtzufuhr eines Nährstoffes, die bei gesunden Personen zu keinen negativen Effekten auf die Gesundheit führt. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hat bisher keinen oberen Grenzwert für die tägliche Eisenzufuhr bestimmt.
Derzeit bestehen noch erhebliche Unsicherheiten über die Dosis, ab der in bestimmten Bevölkerungsgruppen mit negativen Wirkungen gerechnet werden muss, daher kann derzeit noch kein „Tolerable Upper Intake Level“ festgelegt werden.

Nach Aussagen des Bundesinstituts für Risikobewertung sollte sichergestellt werden, dass nur so viel Eisen über die Nahrung aufgenommen wird, wie der Tageszufuhrempfehlung für die gesunde Normalbevölkerung entspricht (5).

Als Risikogruppe für eine zu hohe Eisenzufuhr gelten gesunde erwachsene Männer, postmenopausale Frauen und Menschen mit der Eisenspeicherkrankheit Hämochromatose.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung stellte in einem Gutachten fest, dass bisher keine positiven Wirkungen einer über den Bedarf hinausreichenden Supplementierung mit Eisen bekannt sind, während negative Wirkungen nicht ausgeschlossen werden können (5).


Wie hoch ist die durchschnittliche Eisenaufnahme beim Menschen?

In Deutschland wird das meiste Eisen über Brot, Fleisch und Wurstwaren aufgenommen.
Aufgrund des hohen Fleischverzehrs gelten große Teile junger Männer als gut mit Eisen versorgt. Dagegen ist die Eisenversorgung von Mädchen und jungen Frauen häufig unzureichend.
In Deutschland beträgt die durchschnittliche Eisenzufuhr bei Frauen ca. 11 mg/Tag und bei
Männern 13 mg/Tag. Andere Untersuchungen hatten für Männer eine tägliche Eisenaufnahme von 14 bis 19 mg und für Frauen von 12 bis 14 mg gefunden (19).


Eisengehalt in Lebensmitteln

Zu den Lebensmitteln mit hohem Eisengehalt zählen Gewürze, wie Kardamom und Zimt, aber auch getrocknete Kräuter wie Petersilie, Thymian und grüne Minze. Diese Lebensmittel haben aber für die Eisenversorgung nur eine geringe Bedeutung, da sie nur in geringen Mengen konsumiert werden. Auch der hohe Eisengehalt von Blutwurst und Schweineleber hat wenig praktische Bedeutung. Relevant ist der Eisengehalt in Getreide wie Hirse, Hafer und Roggen sowie Pseudogetreide wie Quinoa und Amarant. Einen relativ hohen Eisengehalt weisen auch getrocknete Aprikosen, Kürbiskerne, Pinienkerne, Kakaopulver und
Zuckerrübensirup auf. Der wichtigste Eisenlieferant in der Ernährung ist jedoch Fleisch. Milch und Milchprodukte gelten als schlechte Eisenquelle.
Schwangere und Stillende, die einen erheblich höheren Eisenbedarf haben, können die Zufuhrempfehlungen von 20 bis 30 mg Eisen pro Tag ohne den Verzehr von Fleisch kaum erreichen. Trotzdem rät das Bundesinstitut für Risikobewertung von einer Anreicherung von Lebensmitteln mit Eisen ab.


Eisenmangel

Zu den wichtigsten Ursachen eines Eisenmangels zählen:
• Blutverluste, z.B. durch häufiges Blutspenden, Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre, Menstruation
• Ein Mehrbedarf an Eisen z.B. in der Wachstumsphase, in der Schwangerschaft oder bei Leistungssport.
• Eine verminderte Eisenaufnahme, z.B. durch vegetarische Ernährung oder infolge einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung

Die regelmäßige Einnahme von ASS (Aspirin) verursacht geringe Blutverluste in den Darm, die zu einem Eisenmangel führen können.
Bei einer physiologischen Regelblutung gehen etwa 50 ml Blut (entsprechend 25 mg Eisen) pro Monat verloren, eine anhaltend starke Menstruationsblutung gehört hingegen zu den wesentlichen Ursachen eines Eisenmangels.


Symptome eines Eisenmangels

Die Symptome eines Eisenmangels können sich durch entzündliche Veränderungen in den Mundwinkeln, Kopfschmerzen, einer erhöhten Infektanfälligkeit, ein gestörtes Haar- und Nagelwachstum sowie durch rissige, trockene und spröde Haut äußern. Auch eine verringerte Leistungsfähigkeit, die Unfähigkeit sich zu konzentrieren und eine chronische Müdigkeit können Folgen eines Eisenmangels sein. Bei Frauen kann ein Eisenmangel mit einem diffusen Haarausfall assoziiert sein. Ein Eisenmangel scheint auch von psychischen Veränderungen begleitet zu sein. Im Vergleich zu Personen mit ausreichender Eisenversorgung sind Menschen mit Eisenmangel häufiger wütend oder zornig und berichten über ein hohes Maß an innerer Spannung (22).


Risikogruppen für einen Eisenmangel

Als Risikogruppen für eine Unterversorgung werden Kinder und Jugendliche in der Wachstumsphase sowie Schwangere und Stillende angesehen (6). Darüber hinaus haben alle Frauen mit einer starken Menstruationsblutung ein erhöhtes Risiko für einen Eisenmangel. Auch Personen mit einem hohen Tee- oder Kaffeekonsum haben ein großes Risiko, einen Eisenmangel zu entwickeln. Ebenfalls zur Risikogruppe für einen Eisenmangel zählen Leistungssportler, insbesondere im Bereich Langstreckenlauf. Auch hier sind ambitionierte Läuferinnen aufgrund der zusätzlichen Blutverluste durch die Regelblutung stärker betroffen. Bedingt durch den Verzicht auf Fleisch als Quelle für besonders gut bioverfügbares Eisen weisen Vegetarier häufiger eine unzureichende Eisenversorgung auf. Eine Adipositas (extremes Übergewicht) kann ebenfalls zur Entstehung eines Eisenmangels beitragen.


Eisenbedarf in der Schwangerschaft

Die Schwangerschaft geht mit einem erhöhten Eisenbedarf einher. Allein für die erhöhte Blutbildung werden 450 mg Eisen benötigt, weitere 270 bis 300 mg werden an den Fetus weitergegeben und 50 bis 90 mg Eisen werden für den Aufbau der Plazenta benötigt. Insgesamt entsteht damit während der Schwangerschaft ein zusätzlicher Eisenbedarf in Höhe von 770 bis 840 mg Eisen (2). Dies entspricht einem Extra-Bedarf von etwa 3 mg pro Tag, der durch eine Zufuhr von 30 mg täglich befriedigt werden muss (angenommene Eisen-Resorptionsquote von 10 %).
Ein Eisenmangel in der Schwangerschaft kann zu erheblicher Beeinträchtigung von Mutter und Kind führen. Die Mutter ist von einer Anämie bedroht, aber auch eine Depression kann die Folge einer unzureichenden Eisenversorgung sein.
Besonders empfindlich scheinen Neugeborene und Säuglinge auf eine Unterversorgung mit Eisen zu reagieren. Es kann als überzeugend belegt gelten, dass ein Eisenmangel in der Neugeborenenphase zu einer Störung der kognitiven Entwicklung, des Verhaltens und der motorischen Fähigkeiten führt (14).


Häufigkeit eines Eisenmangels

Frauen im gebärfähigen Alter sind mit ca. 20 % am häufigsten von einem Eisenmangel betroffen. Nach der Menopause ist ein Eisenmangel hingegen deutlich seltener (ca. 5 %). Bei Männern wird ein Eisenmangel eher selten beobachtet (3 %).
Die Häufigkeit eines Eisenmangels bei Kindern in Europa wird auf 10 bis 15 % geschätzt. Auch Jugendliche sind nicht selten von einem Eisenmangel betroffen (ca. 8 %). Neuere Untersuchungen sprechen bei Kindern in Europa nur noch von einer Prävalenz eines Eisenmangels und einer Eisenmangel-Anämie von 2 bis 6 % (14).


Erhöhte Schwermetallaufnahme bei Eisenmangel

Die Aufnahme von Schwermetallen wie Blei und Cadmium in den Körper erfolgt über einen ganz ähnlichen Mechanismus wie die Eisenaufnahme. Die erhöhte Eisenresorption bei einem Eisenmangel führt auch zu einer erhöhten Resorption von Schwermetallen, dies konnte in Studien an Kindern mit Eisenmangel nachgewiesen werden (15, 16). Ein Eisenmangel im Kindesalter ist auch deshalb problematisch, weil die erhöhte Schwermetallkonzentration ebenfalls zu einer Störung der kognitiven Entwicklung führt (15).
Untersuchungen am Menschen konnten darüber hinaus nachweisen, dass ein Eisenmangel die Mangan-Resorption signifikant erhöht. Demnach kann ein langfristig bestehender Eisenmangel zu einer überhöhten Manganaufnahme mit möglicher Anreicherung im zentralen Nervensystem führen (18). Weitere Untersuchungen bestätigen, dass ein Eisenmangel die Blut-Mangankonzentration erhöht (23).


Diagnose Eisenmangel

Bei Verdacht auf einen Eisenmangel sollten Blutuntersuchungen über den Eisenstatus bzw. die vorhandenen Eisenspeicher durchgeführt werden. Während die Bestimmung des Serum-Eisens in der Eisenmangeldiagnostik keinen Stellenwert mehr hat, sind beim unkomplizierten Eisenmangel die Bestimmung von Blutbild und Serum-Ferritin ausreichend. Wenn die Ferritinkonzentrationen im Serum bei Männern unter 20 μg/L bzw. bei Frauen unter 15 μg/L liegen, dann muss von einer vollständigen Erschöpfung der Eisenreserven ausgegangen werden. 1 µg Ferritin/L entspricht etwa 8 mg Speichereisen.

Besonders bei Schwangeren mit unzureichender Eisenversorgung kann es unter Umständen sinnvoll sein, nach Rücksprache mit einem Arzt, zusätzliches Eisen in Form von Tabletten einzunehmen.


Behandlung des Eisenmangels

Die Einnahme von eisenhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln oder Arzneimitteln sollte nur bei nachgewiesenem Eisenmangel und nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen. Bei vollständig entleerten Eisenspeichern dauert es in der Regel mindestens 3 Monate bis durch eine orale Eisentherapie (z.B. 100 mg Eisen pro Tag) die Eisenspeicher wieder vollständig aufgefüllt sind. Die Eisenspeicher gelten als wieder aufgefüllt, wenn die Serum-Ferritinwerte mindestens 60 μg/L erreicht haben. Ein verringerter Kaffee- und Teekonsum sowie eine Vitamin-C-reiche Ernährung verbessern den Behandlungserfolg deutlich.


Nebenwirkungen einer Eisentherapie

Das entscheidende Problem der oralen Eisentherapie ist die schlechte Verträglichkeit der Nüchterneinnahme. Bei Dosierungen ab 50 mg Eisen klagen die Patienten oftmals bereits nach wenigen Tagen über Magen-Darm-Beschwerden und Übelkeit. Auch eine Obstipation wird bei der Langzeitanwendung relativ häufig beobachtet. Bei Einnahme zusammen mit dem Essen bessern sich zwar die Magen-Darm-Probleme, die Resorptionsquote des Eisens sinkt dabei aber auch um etwa die Hälfte, was wiederum die Behandlungsdauer verlängert. Bei deutlicher Unverträglichkeit ist es besser Eisen in niedrigeren Dosierungen (z.B. 30 mg/Tag) zu den Mahlzeiten einzunehmen als auf die Eisentherapie zu verzichten.


Gibt es ein Zuviel an Eisen?

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Eisen kann als freies, nicht proteingebundenes Eisen zur Bildung von reaktiven Sauerstoffspezies beitragen. Dieser oxidative Stress kann zu erheblichen Funktionsstörungen der Zellmembran und zu entsprechenden Zellschädigung führen.

Oxidative Prozesse, ausgelöst durch reaktive Sauerstoffspezies spielen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von chronischen Erkrankungen, wie z.B. Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurodegenerativen Erkrankungen und Diabetes.


Eisenüberladung

Eine Eisenüberladung des Körpers kann durch eine Reihe von Erkrankungen hervorgerufen werden. Die wichtigste ist die angeborene Hämochromatose (Eisenspeicherkrankheit), die auf einem genetischen Defekt beruht. Bei der Hämochromatose wird das über die Nahrung zugeführte Eisen in großen Mengen resorbiert und gespeichert (Serum-Ferritin > 300 μg/L für Männer, > 200 μg/L für Frauen). Mit einer Häufigkeit von 2 bis 5 pro 1000 ist die hereditäre Hämochromatose eine der häufigsten genetisch bedingten Erkrankungen. Symptome der Erkrankung werden meist erst im Erwachsenenalter bei Männern zwischen 30 und 50 Jahren und bei Frauen nach der Menopause bemerkt. Dieser Erkrankung ist bei Männern häufiger und stärker ausgeprägt als bei Frauen. Die Eisenspeicherung findet insbesondere in der Leber statt und führt langfristig zu einer Gewebeschädigung mit einem erhöhten Risiko für Leberzirrhose. Zudem können als Folgeerkrankungen Diabetes mellitus sowie Herz- und Gelenk-Erkrankungen auftreten (5).
Eine Eisenüberladung kann auch die Folge anderer Erkrankungen sein. Auch ein Alkoholmissbrauch kann zur Ausbildung der Eisenüberladung beitragen.


Eisenüberdosierung

Durch die äußerst wirksame Regulation der Eisenaufnahme im Körper wird eine Überladung des Gewebes mit Eisen aus der Nahrung normalerweise verhindert.
Trotzdem kann Eisen in großen Mengen zugeführt zu akuten Vergiftungserscheinungen führen, dies betrifft besonders Kinder. Symptome können Übelkeit, Erbrechen und Fieber sein. Ab ca. 500 bis 1000 mg verzehrtem Eisen kann ein Kleinkind schwere Vergiftungserscheinungen aufweisen.
Nach derzeitigem Kenntnisstand kann nicht ausgeschlossen werden, dass eine hohe Eisenzufuhr aufgrund langfristiger zusätzlicher Einnahme von Eisentabletten das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen oder Krebserkrankungen erhöht (5).


Erkrankungen, die durch Eisen beeinflusst werden könnten

Eisenmangel spielt bei vielen schweren Erkrankungen eine Rolle. Bei Krebs, Lungen- oder Nierenerkrankungen führt der Eisenmangel häufig zu einer Anämie.


Herzkreislauf-Erkrankungen

Nach umfassender Analyse von epidemiologischen Studien konnte bisher kein eindeutiger
Zusammenhang zwischen einer hohen Eisenzufuhr oder hohen Eisenspeichern und dem
Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen, Krebs und Diabetes nachgewiesen werden (11).



Restless-Legs-Syndrom

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Eine wichtige Rolle bei der Krankheitsentstehung wird dem Neurotransmitter Dopamin zugeschrieben. Bei Patienten mit Restless-Legs-Syndrom findet sich häufig ein niedriger Eisenstatus, zum Teil auch ein Eisenmangel. Eisenmangel scheint die Beschwerden zu verstärken. Mehrere Studien liefern Hinweise, dass die Therapie mit Eisen die Symptome vermindert (17, 24).


Unterstützende Behandlung der Herzinsuffizienz

Patienten mit einer Herzinsuffizienz weisen überdurchschnittlich häufig einen Eisenmangel auf, leider wird dieser vielfach übersehen (7). Neueren Untersuchungen zufolge liegt die Prävalenz eines Eisenmangels bei Patienten mit Herzinsuffizienz zwischen 30 und 50 %. Mehrere Studien konnten den Nachweis erbringen, dass die Behandlung des Eisenmangels auch die wichtigsten Symptome der Herzinsuffizienz entscheidend bessert (7).

In einer großen Studie beispielsweise wurden 459 Patienten mit Herzinsuffizienz und gleichzeitigem Eisenmangel entweder mit intravenösem Eisen oder Placebo über ein halbes Jahr behandelt. Ergebnisse: Nach 24 Wochen gaben 50 Prozent der Patienten unter der Eisentherapie an, dass sie sich wesentlich besser fühlten, in der Placebogruppe waren es nur 28 Prozent. Die Patienten unter der Eisentherapie waren auch deutlich weniger kurzatmig. Die Strecke, die sie innerhalb von sechs Minuten zu laufen imstande waren, erhöhte sich um 35 Meter im Vergleich zur Placebogruppe. Auch die Lebensqualität der mit Eisen behandelten Patienten hatte sich deutlich gebessert (1).


Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom (ADHS)

Es liegen Hinweise vor, dass beim Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätssyndrom ein Eisenmangel am Krankheitsgeschehen beteiligt sein könnte. In einer Untersuchung an 630 Kindern mit ADHS zeigten sich ein signifikant schlechterer Eisenstatus und ein ausgeprägter Vitamin-D-Mangel (4).


Schilddrüsenfunktion und Eisenmangel

Es liegen Hinweise vor, dass ein Eisenmangel den Schilddrüsenstoffwechsel negativ beeinflusst. Bei Personen mit einer Eisenmangel-Anämie wurden z.B. verminderte Schilddrüsenhormonkonzentrationen im Blut nachgewiesen. In einer kürzlich veröffentlichten Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an Patienten mit einer Jodmangel-Struma zeigte sich unter einer Eisentherapie im Vergleich zur Placebogabe eine deutliche Verminderung der Struma (20).
Es ist bekannt, dass ein Schilddrüsen-Hormonmangel in der Neugeborenen-Periode zu Störungen der Gehirnentwicklung führen kann. Untersuchungen belegen, dass ein Eisenmangel in dieser Phase die Schilddrüsenfunktion weiter verschlechtern kann und damit die Entwicklungsstörungen bei Neugeborenen verstärkt (3).


Wirkung von Eisen auf die körperliche Leistungsfähigkeit bei Frauen mit Eisenmangel

Es war lang Zeit umstritten, ob ein Eisenmangel ohne gleichzeitige Anämie die körperliche Leistungsfähigkeit relevant beeinflusst. Eine neuere Metaanalyse kommt nach Auswertung von 22 Studien zu dem Ergebnis, dass sich die sportliche Leistungsfähigkeit von Frauen im gebärfähigen Alter mit einem Eisenmangel unter einer Eisentherapie signifikant verbessert (21).


Wechselwirkungen von Eisen mit Arzneimitteln, Mineralstoffen und Spurenelementen

Arzneimittel wie ASS (Aspirin), Protonenpumpenhemmer (Omeprazol) oder Antazida (z.B. Ranitidin) hemmen die Eisenaufnahme im Darm. Auch die Anwendung von Bisphosphonaten (z.B. Alendronat), Tetracyclin oder Laxanzien (Abführmittel) vermindern die Eisenaufnahme.
Die Einnahme von größeren Mengen Calcium und Magnesium in Tablettenform hemmt ebenfalls die Eisenresorption.
Eine regelmäßige Eisen-Supplementation hemmt die Resorption von Zink, dadurch kann sich sekundär ein Zinkmangel entwickeln.
Eine Eisentherapie kann auch zu einem sekundären Manganmangel führen, da Mangan über einen ähnlichen Transportmechanismus im Darm aufgenommen wird (12).


Fazit

Eisen zählt zu den essenziellen Spurenelementen. Trotz einer insgesamt ausreichenden Eisenversorgung in Deutschland gibt es einige Bevölkerungsgruppen, die ein hohes Risiko für einen Eisenmangel aufweisen. Hierzu zählen Frauen im gebärfähigem Alter, vor allem mit starker Menstruationsblutung, aber auch Schwangere und Kinder. Der wichtigste Eisenlieferant in der Ernährung ist Fleisch, daher sind auch Vegetarier von einem Eisenmangel bedroht. Neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass auch Erkrankungen wie die Herzinsuffizienz, das Restless-Legs-Syndrom oder Funktionsstörungen der Schilddrüse von einem Eisenmangel wesentlich beeinflusst werden.
Nach wie vor ist nicht auszuschließen, dass bei einer dauerhaft hohen Versorgung mit Eisen
das Risiko für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und Diabetes steigt.


Weitere Beiträge zur Wirkung von Spurenelementen und Mineralstoffen:


 
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Literatur / Quellennachweis

1. Anker SD, Comin Colet J, Filippatos G, Willenheimer R, et al.; FAIR-HF Trial Investigators. Ferric carboxymaltose in patients with heart failure and iron deficiency. N Engl J Med. 2009 Dec 17;361(25):2436-48.
2. Arbeitsgruppe: Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr (2000). Umschau Braus Verlag, Frankfurt, pp174-179.
3. Bastian TW, Prohaska JR, Georgieff MK, Anderson GW. Fetal and neonatal iron deficiency exacerbates mild thyroid hormone insufficiency effects on male thyroid hormone levels and brain thyroid hormone-responsive gene expression. Endocrinology. 2014 Mar;155(3):1157-67.
4. Bener A, Kamal M, Bener H, Bhugra D. Higher prevalence of iron deficiency as strong predictor of attention deficit hyperactivity disorder in children. Ann Med Health Sci Res. 2014 Sep;4(Suppl 3):S291-7.
5. Bundesinstitut für Risikobewertung: " Verwendung von Eisen in Nahrungsergänzungsmitteln und zur Anreicherung von Lebensmitteln" Stellungnahme Nr. 016/2009 des BfR vom 2. März 2009, ergänzt am 21. Januar 2013.
6. Bundesinstitut für Risikobewertung: "Fragen und Antworten zu Eisen in Lebensmitteln" FAQ des BfR vom 1. Dezember 2008.
7. Cohen-Solal A, Leclercq C, Deray G, Lasocki S, Zambrowski JJ, Mebazaa A, de Groote P, Damy T, Galinier M9. Iron deficiency: an emerging therapeutic target in heart failure. Heart. 2014 Sep 15;100(18):1414-20.
8. Definition Spurenelemente: Der Gehalt eines Spurenelements liegt per Definition unter 50 mg/kg im Körper. Eisen ist aufgrund seiner Funktionen den Spurenelementen zugeordnet, liegt aber in der Regel in einer Konzentration von mehr als 50 mg pro kg Körpergewicht vor.
9. Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. http://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen/
10. Elmadfa, I.; Leitzmann, C.: Ernährung des Menschen. 4 Auflage. Eugen Ulmer GmbH & Cie, 2004.
11. European Food Safety Authority (EFSA), Opinion of the Scientific Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies on a request from the Commission related to the Tolerable Upper Intake Level of Iron. EFSA Journal 2004;125:1-34.
12. Finley, J. W. Manganese absorption and retention by young women is associated with serum ferritin concentration. Am J Clin Nutr 1999;70:37-43.
13. Hallberg L, Hulthen L, Garby L (1997). Iron stores in man in relation to diet and iron requirements. Eur J Clin Nutr 52: 623-631.
14. Jáuregui-Lobera. Iron deficiency and cognitive functions. Neuropsychiatr Dis Treat. 2014 Nov 10;10:2087-95.
15. Kim Y, Park S. Iron deficiency increases blood concentrations of neurotoxic metals in children. Korean J Pediatr. 2014 Aug;57(8):345-50.
16. Lee BK, Kim SH, Kim NS, Ham JO, Kim Y. Iron deficiency increases blood cadmium levels in adolescents surveyed in KNHANES 2010-2011. Biol Trace Elem Res. 2014 Jun;159(1-3):52-8.
17. Lee CS, Lee SD, Kang SH, Park HY, Yoon IY. Comparison of the efficacies of oral iron and pramipexole for the treatment of restless legs syndrome patients with low serum ferritin. Eur J Neurol. 2014 Feb;21(2):260-6.
18. Manganese in Drinking-water; Background document for development of WHO, Guidelines for Drinking-water Quality; World Health Organization 2011.
19. Mensink G, Burger M, Beitz R, Henschel Y, Hintzpeter B (2002). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Was essen wir heute? Ernährungsverhalten in Deutschland. Robert-Koch-Institut, Berlin.
20. Ordooei M, Akbarzadeh M, Soleimanizad R, Shamsi F, Masoumi Dehshiri R. The effect of iron supplement on children with euthyroid goiter: a randomized placebo-controlled clinical trial. Iran J Ped Hematol Oncol. 2014;4(3):84-8.
21. Pasricha SR, Low M, Thompson J, Farrell A, De-Regil LM. Iron supplementation benefits physical performance in women of reproductive age: a systematic review and meta-analysis. J Nutr. 2014 Jun;144(6):906-14.
22. Sawada T, Konomi A, Yokoi K. Iron deficiency without anemia is associated with anger and fatigue in young Japanese women. Biol Trace Elem Res. 2014 Jun;159(1-3):22-31.
23. Smith EA, Newland P, Bestwick KG, Ahmed N. Increased whole blood manganese concentrations observed in children with iron deficiency anaemia. J Trace Elem Med Biol. 2013 Jan;27(1):65-9.
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