Pflanzliche Wirkstoffe zur Behandlung der chronisch-venösen Insuffizienz

 

Schwellung, Schmerzen und Schweregefühl in den Beinen - können Naturheilmittel die Beschwerden lindern?



Venöse Insuffizienz (Varizen, Krampfadern)



Hintergrund

Die chronisch-venöse Insuffizienz wird auch als Venenschwäche oder Venenleiden bezeichnet. Erste Hinweise auf diese Störung sind Krampfadern (Varizen) oder Besenreiser. Krampfadern entstehen auf der Basis einer angeborenen Bindegewebsschwäche, die einen Tonusverlust der Venenwand nach sich zieht (primäre Varikose). Typische Symptome bei Krampfadern sind geschwollene Beine, das Gefühl von schweren Beinen und ein Spannungsgefühl.

Zu den Naturheilmitteln, die sich günstig auf die Venenerkrankung auswirken können, zählen u.a. Rosskastanie, Rutin, Centella asiatica, Mäusedorn, Extrakte aus rotem Weinlaub oder Arnikablüten. In der nachfolgenden Übersicht werden die bisher veröffentlichten Daten zur Wirksamkeit dieser Naturheilmittel zusammengefasst und bewertet.


Rosskastanie

Rosskastaniensamenextrakte werden angewendet, um die Beschwerden der chronischen Veneninsuffizienz zu vermindern.

In Deutschland sind Rosskastaniensamen-Extrakte als Arzneimittel zugelassen (z.B.: Venoplant® retard S, Venostasin® retard, Venoruton® retard Rosskastanie, Venentabs-ratiopharm® Retardtabletten).

Insgesamt konnte mit Rosskastanie in Studien eine Verbesserung der Symptome bei chronisch-venöser Insuffizienz im Vergleich zu Placebo erreicht werden (9). In sechs von sieben Studien wurde über eine signifikante Reduktion der Beinschmerzen in der Rosskastanien-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe berichtet. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass eine Rosskastanien-Behandlung genauso effektiv wie die Behandlung mit Kompressionsstrümpfen sein kann (9).

Zusammenfassend belegen die bisherigen Untersuchungen, dass die Einnahme von Rosskastaniensamen-Extrakt bei Menschen mit chronisch-venöser Insuffizienz die Schwellungszustände an den Unterschenkeln und Knöcheln vermindern kann. Es liegen zudem Hinweise vor, dass Rosskastanien-Extrakt auch die begleitenden Beinschmerzen und Ödeme reduziert.

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Rutosid – Rutin

Rutosid (oder Rutin) ist eine Verbindung, die natürlicherweise in Früchten (Äpfeln) und Gemüsen vorkommt, sich aber auch aus Inhaltsstoffen der Rosskastanie ableitet. Rutin ist ein Flavonoid, das Quercetin als Grundstruktur enthält. Anwendung findet Rutin zur Vorbeugung und Behandlung von Ödemen und als Venentherapeutikum.

Das Postthrombotische Syndrom (PTS) ist eine langfristige Komplikation der tiefen Venenthrombose, die durch Schmerzen, Schwellungen und Hautveränderungen in der betroffenen Extremität gekennzeichnet ist.

Zur Wirksamkeit von Rutin beim Postthrombotischen Syndrom (PTS) liegt eine Cochrane-Metaanalyse vor (8). Die Autoren kommen dabei zu dem Ergebnis, dass es keine ausreichenden Belege für eine überlegene Wirksamkeit von Rutin (Rutosid) gegenüber Placebo oder im Vergleich zur Anwendung von Kompressionsstrümpfen gibt. Insgesamt fehlt ein überzeugender Nachweis, dass „venentonisierende“ Heilmittel wie Rutin/Rutosid Symptome des PTS verringern. Die Verträglichkeit erwies sich den publizierten Untersuchungen als gut. In den Studien wurde nur über gering ausgeprägte Nebenwirkungen unter der Anwendung von Rutin berichtet (8).


Centella asiatica

Der Indische Wassernabel (Centella asiatica), auch als Asiatischer Wassernabel bezeichnet, findet in der traditionellen chinesischen Medizin und in der ayurvedischen Medizin in Indien Verwendung.

In einer kürzlich erschienenen Übersichtsarbeit wurden insgesamt 8 klinische Studien im Hinblick auf die Wirksamkeit von Centella asiatica hin analysiert (2). Dabei fanden sich deutliche Hinweise auf eine Verbesserung typischer Symptome, wie schwere Beine, Schmerzen und Ödeme unter der Behandlung mit Centella asiatica. Die Autoren schlussfolgern entsprechend, dass Cantella asiatica bei der Behandlung der chronisch-venösen Insuffizienz von Nutzen sein könnte, gaben jedoch zu bedenken, dass weithin Fragen bezüglich der Wirksamkeit offenbleiben.


Mäusedorn

Mäusedornwurzelstockextrakte (Ruscus aculeatus) werden u.a. wegen ihrer entzündungshemmenden Wirkung auch als Venentherapeutikum angewendet.

Mehrere Studien deuten auf eine Wirksamkeit von Ruscus aculeatus bei chronisch-venöser Insuffizienz hin (5, 10). Beispielsweise konnte in einer Doppelblindstudie mit 148 Patientinnen gezeigt werden, dass nach bis zu 12-wöchiger Behandlung mit Mäusedorn-Extrakt das Beinvolumen im Vergleich zu Placebo statistisch signifikant abnahm. Darüber hinaus besserten sich subjektive Parameter wie das Schweregefühl in den Beinen (10).

In mehreren Studien wurde Mäusedorn auch in Kombination mit dem Flavonoid Hesperidin untersucht (Cyclo 3 Fort). Auch hier belegen Placebo-kontrollierte Studien eine Verringerung der Schwere unterschiedlicher Symptome einer chronisch-venösen Insuffizienz (1, 6).

Insgesamt sprechen die vorliegenden Daten für einen relevanten Effekt von Mäusedorn, auch in Kombination mit Hesperidin, auf die Symptome einer chronisch-venösen Insuffizienz.


Rotes Weinlaub

Auch Extrakte aus rotem Weinlaub werden heute als Phytopharmaka bei chronisch-venöser Insuffizienz angewendet. Aufgrund seiner entzündungshemmenden und Gefäßwand-abdichtenden Wirkung können sich Extrakte aus rotem Weinlaub positiv auf die Venenfunktion auswirken. Die im Herbst rot verfärbten Weinrebenblätter enthalten vier bis fünf Prozent Flavonoide, u.a. Quercitrin und Rutin.

In Deutschland sind Extrakte aus rotem Weinlaub als Arzneimittel zugelassen (Antistax®).

In einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurde ein Extrakt aus rotem Weinlaub in zwei Dosierungen (täglich 360 mg oder 720 mg) bei Patienten mit chronischer Veneninsuffizienz gegen Placebo geprüft (3, 4). Ergebnis: Nach 12-wöchiger Behandlung konnte für beide Dosierungen eine statistisch signifikante Verringerung des Unterschenkelvolumens gegenüber Placebo festgestellt werden. Die typischen Beschwerden der chronisch-venösen Insuffizienz wurden ebenfalls signifikant verbessert. In einer weiteren Placebo-kontrollierten Untersuchung konnte unter der täglichen Einnahme von 360 mg Extrakt eine Ödemreduktion nachgewiesen werden (3).

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Arnika

Arnikablüten (Arnica flos) gehören aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung zu den bewährten Arzneipflanzen.

Bei 89 Patienten mit chronisch-venöser Insuffizienz (Varizen, Krampfadern) konnten in einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie eine Abnahme der Schwellung und eine Verminderung des Gefühls von schweren Beinen nachgewiesen werden (7). Die Patienten erhielten in dieser Studie über drei Wochen zusätzlich zur Hydrotherapie entweder eine Arnika-Lösung zum Auftragen auf die Beine und Füße oder eine Placebo-Zubereitung. Neben einer subjektiven Abnahme von Spannung und Schmerzen in den Beinen, zeigten sich auch bei objektiven Messparametern (plethysmographische Untersuchung) signifikante Vorteile zugunsten der Arnika-Anwendung (7).



Literatur


1. Boyle P, Diehm C, Robertson C. Meta-analysis of clinical trials of Cyclo 3 Fort in the treatment of chronic venous insufficiency. Int Angiol. 2003 Sep;22(3):250-62.

2. Chong NJ1, Aziz Z. A Systematic Review of the Efficacy of Centella asiatica for Improvement of the Signs and Symptoms of Chronic Venous Insufficiency. Evid Based Complement Alternat Med. 2013;2013:627182.

3. Fachinformation zum Arzneimittel Antistax, Stand November 2009

4. Kalus U., Koscielny J, Grigorov A, et al. Improvement of Cutaneous Microcirculation and Oxygen Supply in Patients with Chronic Venous Insufficiency by Orally Administered Extract of Red Vine Leaves AS 195: A Randomised, Double-Blind, Placebo-Controlled, Crossover Study. Drugs in R & D 2004; 5: S. 63-71.

5. Kiesewetter, H., Scheffler, P., Jung, F. et al: Effect of Ruscus extract in chronic venous insufficiency state I, II and III. In: Vanhoutte PM (ed): Return circulation and norepinephrine. John Libbey, Eurotext, Paris, France; (1991) 163-169.

6. LeDevehat, C., Kodabandehlou, T., Vimeux, M. et al., The effects of Cyclo 3 Fort treatment on hemorheological disturbances during a provoked venous stasis in patients with chronic venous insufficiency. Clin Hemorheol 14 (1994) 53-63.

7. Mills S, Bone K. Principles and Practice of Phytotherapy, Churchill Livingstone, Harcourt Publishers, Grande-Bretagne, 2000.

8. Morling JR1, Yeoh SE, Kolbach DN. Rutosides for treatment of post-thrombotic syndrome. Cochrane Database Syst Rev. 2013 Apr 30;4:CD005625.

9. Pittler MH1, Ernst E. Horse chestnut seed extract for chronic venous insufficiency. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Nov 14;11:CD003230.

10. Vanscheidt, W., Jost, V., Wolna, P. et al., Efficacy and safety of a Butcher‘s broom preparation (Ruscus aculeatus L. extract) compared to placebo in patients suffering from chronic venous insufficiency. Arzneimittelforsch 52 (2002) 243-250.


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