Ist Cimicifuga bei Wechseljahresbeschwerden wirksam?

 

Extrakte aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) zur Behandlung von klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüchen – wirksam oder unwirksam?



Hintergrund

Die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) ist eine Pflanzenart in der Gattung Actaea. Verwendet werden die unterirdischen Pflanzenteile, insbesondere die Wurzeln.

Als Arzneimittel findet Cimicifuga Anwendung zur Besserung der durch die Wechseljahre bedingten Beschwerden.

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– Cimicifuga kurz und bündig

Die Wechseljahre können bei der Frau ab 40 zu einer Reihe gesundheitlicher Beschwerden führen, unter anderem zu Hitzewallungen, nächtlichen Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Reizbarkeit. Hitzewallungen und Schweißausbrüche gehören zur Gruppe der vasomotorischen Symptome. Darunter versteht man Symptome, die mit einer Verengung oder Erweiterung der Blutgefäße zusammenhängen. Hitzewallungen sind anfallsweise auf- oder absteigende Wärmewellen (hot Flush), die vom Hals, Kopf oder von der Brust ausgehen. Gleichzeitig kann ein wellenförmiges Erröten (Flush) auftreten. Etwa ein bis zwei Drittel der Frauen haben während der Wechseljahre Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Bei der Mehrzahl der Frauen sind die Symptome nur gering ausgeprägt. Bei einigen Frauen können Hitzewallungen und Schweißausbrüche jedoch so ausgeprägt sein, dass sie die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen.


Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?

Standard-Therapie von Wechseljahresbeschwerden ist die Hormonersatztherapie. Zu den alternativen Therapiemöglichkeiten klimakterischer Beschwerden gehören pflanzliche Wirkstoffe wie Cimicifuga racemosa, Rhapontikrhabarber und Rotklee (Trifoliumpratense), die als nicht rezeptpflichtige Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel angeboten werden.

Nach Aussagen der medizinischen Fachgesellschaften seien alle alternativen Therapiemöglichkeiten in ihrer Effektivität nicht mit der einer Hormonersatztherapie vergleichbar. Bei leichten Hitzewallungen und Schweißausbrüchen sei ein Therapieversuch mit Cimicifuga racemosa dennoch möglich. Die Wirkung könne allerdings individuell nicht vorausgesagt werden. Bei starken vasomotorischen Beschwerden sei nach Einschätzung von Experten ein ausreichender therapeutischer Effekt von Cimicifuga racemosa nicht zu erwarten.

Die Hormonersatztherapie in der Menopause wird zunehmend kritischer beurteilt. Gründe dafür sind u.a. das erhöhte Brustkrebs- und Schlaganfallsrisiko, aber auch das erhöhte Risiko von Thrombosen (5). Daher greifen viele Frauen alternativ zu pflanzlichen Präparaten.


Bewertung der Qualität von Cimicifuga-Präparaten unabhängig von der Wirksamkeit

Die Zeitschrift Öko-Test hatte pflanzliche Arznei- und Nahrungsergänzungsmittel zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden, u.a. auch Extrakte der Traubensilberkerze kürzlich bewertet (4). Bemerkenswert ist, dass in dieser Beurteilung Fragen der Wirksamkeit nur eine untergeordnete Rolle gespielt hatten. Alle 14 getesteten Extrakte aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) erhielten bei der pharmakologischen Begutachtung Bestnoten. Zehn dieser Arzneimittel schnitten bei Öko-Test insgesamt mit "sehr gut" ab – darunter unter anderem Präparate von Stadapharm, Ratiopharm und Bionorica. Zwei erhielten die Bewertung "gut". Lediglich mit "befriedigend" schnitten z.B. Remifemin Tabletten ab (4).

Prüft man hingegen die wissenschaftliche Literatur zur Frage der Wirksamkeit von Extrakte aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) bei klimakterischen Beschwerden, ist das Ergebnis weniger eindeutig.


Studien zur Wirksamkeit von Cimicifuga

Bereits im Jahr 2008 war eine Übersichtsarbeit zur Wirksamkeit von Cimicifuga racemosa erschienen (1). Sechs Studien mit insgesamt von 1112 peri- und postmenopausalen Frauen erfüllten damals die Einschlusskriterien. Die Daten aus diesen kontrollierten Studien zeigen keinen konsistenten Effekt von Cimicifuga-Extrakten auf Wechseljahresbeschwerden. Eine positive Wirkung auf die klimakterischen Symptome konnte nach Einschätzung der Autoren nicht ausgeschlossen werden. Zusammenfassend hieß es im Jahr 2008: Die Wirksamkeit von Traubensilberkerzen-Extrakten zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden sei unsicher und weitere methodisch gut geplante Studien wären notwendig, um gesicherte Aussagen treffen zu können.

In eine Metaanalyse aus dem Jahre 2010 wurden insgesamt neun randomisierte, Placebo-kontrollierte Studien eingeschlossen (2). Unter diesen Studien zeigten sechs eine deutliche Verbesserung in der Cimicifuga-Gruppe verglichen mit der Placebo-Gruppe. Anhand der Daten aus sieben Studien wurde abgeschätzt, wie ausgeprägt der Effekt von Cimicifuga auf die vasomotorischen Symptome im Zusammenhang mit der Menopause ist. Zubereitungen aus Traubensilberkerzen-Extrakt verbessern die Symptome insgesamt um 26 % (95 % Konfidenzintervall 11 % - 40 %), es gab jedoch auffällige Unterschiede, zum Teil gegensätzliche Ergebnisse in den verschiedenen Studien. Daher waren allgemeingültige Aussagen zur Wirksamkeit von Cimicifuga racemosa auf Basis dieser Studiendaten nicht möglich.

Eine weitere Bewertung aus dem Jahre 2011 kommt ebenfalls zu keiner grundsätzlich anderen Schlussfolgerung zur Wirksamkeit von Cimicifuga: Die vorliegenden Studien lieferten keine überzeugenden Daten für die Wirksamkeit von alternativen oder freiverkäuflichen Produkten, wie z.B. Phytoöstrogenen und Traubensilberkerzen-Extrakten. Zudem sei deren langfristige Sicherheit weitgehend unbekannt (3).

Bestätigt werden diese Aussagen auch durch eine neuere Bestandsaufnahme aus dem Jahre 2012, in der die Wirksamkeit verschiedener pflanzlicher Wirkstoffe zur Linderung klimakterischer Beschwerden untersucht worden war (8).

Ergebnisse: In den meisten Studien zum Vergleich von Cimicifuga mit Placebo konnte keine signifikante Wirkung von Cimicifuga auf klimakterische Beschwerden nachgewiesen werden. Die Kombination von Cimicifuga und Johanniskraut zeigt hingegen eine Verbesserung der klimakterischen Beschwerden im Vergleich zu Placebo. In einem direkten Vergleich von Cimicifuga mit einer Hormontherapie zeigte sich unter der Hormontherapie eine deutlich stärkere Symptomabnahme als unter der Cimicifuga-Einnahme. Zusammenfassend kommt diese Übersichtsarbeit zu dem Schluss, dass die alleinige Behandlung klimakterischer Beschwerden mit Cimicifuga wenig erfolgsversprechend sei, das aber eine Kombination aus Cimicifuga und Johanniskraut wirksam sein könnte.

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Update 2013

Die Cochrane Collaboration ist eine internationale gemeinnützige Organisation, die es sich zum Ziel gesetzt hat, unabhängige, systematische Übersichtsarbeiten zu erstellen. Im Herbst 2012 wurde eine erste Cochrane-Analyse zur Wirksamkeit von Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) veröffentlicht (9):

Sechzehn randomisierte kontrollierte Studien mit insgesamt 2027 peri- oder postmenopausalen Frauen wurden in diese Analyse einbezogen. Cimicifuga wurde in den betrachteten Studien in einer durchschnittlichen Tagesdosis von 40 mg, bei einer mittleren Behandlungsdauer von 23 Wochen angewandt.

Ergebnis: Es gab keinen signifikanten Unterschied zwischen Traubensilberkerze und Placebo bei der Häufigkeit von Hitzewallungen oder beim Menopause-Symptom-Score. Beim Vergleich von Cimicifuga mit der Hormonersatztherapie zeigten sich signifikante Vorteile bei der Häufigkeit von Hitzewallungen und beim Menopause-Symptom-Score zugunsten der Hormontherapie.

Auffällig waren die deutlichen Unterschiede in den Ergebnissen einzelner Studien. Zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität, zum Einfluss auf die Knochendichte oder zur Häufigkeit von Nachtschweiß lagen nur unzureichend Daten vor, so dass hier keine Bewertung möglich war.

Das Fazit der Autoren zur Wirksamkeit von Cimicifuga fiel dementsprechend negativ aus:
Derzeit gibt es keine ausreichenden Wirksamkeits-Belege, die eine Verwendung von Traubensilberkerze bei Wechseljahrsbeschwerden rechtfertigen (9).

Entgegen den bisherigen Studienergebnissen kommt eine Ende 2012 veröffentlichte Placebo-kontrollierte Studie zu sehr positiven Ergebnissen in Bezug auf die Wirksamkeit von Cimicifuga bei Wechseljahresbeschwerden (10). Mögliche Erklärungen können in der Verwendung eines anderen Cimicifuga-Extraktes in höherer Dosierung liegen.

In einer dreiarmigen Doppelblindstudie wurde ein neu entwickelter Cimicifuga-Trockenextrakt in den Dosierungen 6,5 und 13 mg mit der Placebo-Gabe verglichen. Über 12 Wochen erhielten insgesamt 180 Frauen mit Wechseljahresbeschwerden eine der drei Behandlungen. Primäres Studienziel war eine Verbesserung des klinischen Beschwerdebildes, das mittels Kupperman-Index bewertet wurde.

Ergebnisse: Im Vergleich zur Placebo-Behandlung zeigte sich bei den Patientinnen unter Cimicifuga eine signifikante Abnahme im Schweregrad der menopausalen Beschwerden. Beim primären Zielparameter der Studie (Kupperman-Index) ergab sich nach zwölf Wochen Therapie eine signifikante Überlegenheit beider Cimicifuga-Gruppen im Vergleich zu Placebo (13 mg: p < 0,0001; 6,5 mg < 0,001). Das Ergebnis in der 13-mg-Gruppe war dem in der 6,5-mg-Gruppe ebenfalls signifikant überlegen (p < 0,01).

Im zeitlichen Verlauf zeigte sich, dass die Symptome Hitzewallungen und Schweißausbrüche bereits nach sechs Wochen eine dosisabhängige Besserung erkennen ließen. Es gab nur wenige Nebenwirkungen, die ohne Bezug zur Dosis waren (10).

Der diesen Studienergebnissen zugrundeliegende Trockenextrakt, Ze 450, aus Cimicifuga racemosa (Traubensilberkerze)–Wurzelstock unterscheidet sich von denen in vorausgehenden Studien verwendeten Cimicifuga-Extrakten. Dieser Extrakt wird nur von der Schweizer Firma Zeller Medical im Produkt Cimifemin® uno/- forte angeboten.


Sicherheit und Verträglichkeit von Cimicifuga

Die Verträglichkeit von Cimicifuga-Extrakten kann derzeit noch nicht abschießend beurteilt werden. Im Jahre 2009 hatte es infolge zahlreicher Verdachtsfälle von Leberschäden im Zusammenhang mit der Einnahme von Cimicifuga-Extrakten Änderungen in der Fach- und Gebrauchsinformation der Arzneimittel gegeben (5). Eine nachfolgende Metaanalyse aus fünf Studien konnte eine Beeinträchtigung der Leberfunktion durch Cimicifuga-Extrakte nicht bestätigen (7). Trotzdem wird darauf hingewiesen, dass Cimicifuga-haltige Präparate ohne ärztlichen Rat nicht länger als drei Monate eingenommen werden sollten.


Fazit

Die bisher veröffentlichten Daten lassen auf eine mäßig ausgeprägte Wirkung von Cimicifuga-Extrakten auf klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche schließen. Das Ausmaß der Besserung scheint individuell sehr verschieden. Ob im Allgemeinen eine spürbare, klinisch relevante Besserung der vasomotorischen Symptome mit Cimicifuga erreicht werden kann, bleibt fraglich. Die Verträglichkeit bei kurzzeitiger Anwendung ist hinreichend untersucht und wird als gut bezeichnet. Für eine Anwendung über einen Zeitraum von 3 Monaten hinaus liegen nur unzureichend Daten vor. Eine Beeinträchtigung der Leberfunktion bei einer Langzeitanwendung von Cimicifuga kann nicht sicher ausgeschlossen werden.


Literatur:


1. Borrelli F, Ernst E. Black cohosh (Cimicifuga racemosa) for menopausal symptoms: a systematic review of its efficacy. Pharmacol Res. 2008 Jul;58(1):8-14.

2. Shams T, Setia MS, Hemmings R, McCusker J, Sewitch M, Ciampi A. Efficacy of black cohosh-containing preparations on menopausal symptoms: a meta-analysis. Altern Ther Health Med. 2010 Jan-Feb;16(1):36-44.

3. Thacker HL. Assessing risks and benefits of nonhormonal treatments for vasomotor symptoms in perimenopausal and postmenopausal women. J Womens Health (Larchmt). 2011 Jul;20(7):1007-16.

4. Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ), Ausgabe 10.3.2011, Wechseljahresbeschwerden

5. Pharmazeutische Zeitung, Ausgabe 41/2009

6. Arznei-telegramm Ausgabe 8/2005; 36: 69-71

7. Naser B, Schnitker J, Minkin MJ, de Arriba SG, Nolte KU, Osmers R. Suspected black cohosh hepatotoxicity: no evidence by meta-analysis of randomized controlled clinical trials for isopropanolic black cohosh extract. Menopause. 2011 Apr;18(4):366-75.

8. Laakmann E, Grajecki D, Doege K, Eulenburg CZ, Buhling KJ. Efficacy of Cimicifuga racemosa, Hypericum perforatum and Agnus castus in the treatment of climacteric complaints: a systematic review. Gynecol Endocrinol. 2012 Sep;28(9):703-9.

9. Leach MJ, Moore V. Black cohosh (Cimicifuga spp.) for menopausal symptoms. Cochrane Database Syst Rev. 2012 Sep 12;9:CD007244.

10. Schellenberg R, Saller R, Hess L, Melzer J, Zimmermann C, Drewe J, Zahner C. Dose-Dependent Effects of the Cimicifuga racemosa Extract Ze 450 in the Treatment of Climacteric Complaints: A Randomized, Placebo-Controlled Study. Evid Based Complement Alternat Med. 2012;2012:260301.


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