Lycopin zur Vorbeugung von Krebserkrankungen

 

Prostata-Karzinom – Kann Lycopin das Erkrankungsrisiko senken?


Welche Nahrungsmittel enthalten besonders viel Lycopin?


Prostata-Karzinom – Kann Lycopin das Erkrankungsrisiko senken?


Hintergrund

Verschiedene Studien deuten auf eine Abnahme des allgemeinen Krebsrisikos durch den Verzehr von Lycopin-haltigen Nahrungsmitteln hin. Insbesondere die Prophylaxe eines Prostata-Karzinoms wird diskutiert.

Wirkmechanismus

Bei der Prävention von Prostatakrebs kommen wahrscheinlich besonders die antiproliferativen, antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen von Lycopin zum Tragen.

Voraussetzung für eine organspezifische Wirkung von Lycopin ist der Nachweis der Verfügbarkeit in den entsprechenden Organen. Zwei Studien konnten belegen, dass eine Supplementation mit täglich 30 mg Lycopin über drei Wochen zu einem Anstieg der Lycopin-Gewebekonzentration in der Prostata um ca. 50 Prozent führt (8, 26).

Lycopin zur Vorbeugung von Krebserkrankungen

Epidemiologische Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von Lycopin über die Ernährung und dem Auftreten von Krebs (42). Je höher die durchschnittliche Lycopin-Zufuhr, desto seltener traten in der Folgezeit bestimmte Formen von Krebs auf. Am deutlichsten war dieser Zusammenhang zwischen der Lycopin-Aufnahme und der Häufigkeit von Prostata-, Lungen- und Magenkrebs (45). Weniger ausgeprägt war der Zusammenhang für Darm-, Bauchspeicheldrüsen-, und Gebärmutterhalskrebs. Auch das Risiko an Brustkrebs zu erkranken, fällt einer umfassenden Analyse zufolge bei Frauen mit hohen Blutspiegeln an Lycopin deutlich geringer aus (10). Das Risiko für das Auftreten eines kolorektalen Adenoms liegt beispielsweise unter hoher Lycopin-Zufuhr um ca. 17 Prozent niedriger als bei geringer Lycopin-Aufnahme (20).

Eine unlängst veröffentlichte Metaanalyse über den Zusammenhang der Carotenoid-Aufnahme und dem Risiko an einem Oesophagus-Krebs zu erkranken, bestätigte, dass Personen mit einer hohen Lycopin-Zufuhr ein signifikant geringeres Erkrankungs-Risiko aufweisen (47).

In-vitro-Untersuchungen bestätigen, dass Lycopin das Wachstum verschiedener menschlicher Krebszellen, u.a. das Wachstum von Gehirntumorzellen hemmt. Es liegen zudem plausible Erklärungen zum Wirkmechanismus von Lycopin in Bezug auf die Hemmung des Tumorzellwachstums vor (17). Bei bestimmten Hauttumorzellen zeigte sich ein synergistischer Effekt von Lycopin und Curcumin. Die Antitumor-Wirkung wurde durch eine gleichzeitige Bestrahlung noch verstärkt (6).

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Prostatakrebs - Ist eine Vorbeugung durch eine regelmäßige Zufuhr von Lycopin möglich?

Eine Reihe von Studien konnte nachweisen, dass Männer mit einer hohen Lycopin-Aufnahme über die Ernährung ein geringeres Risiko haben, an Prostatakrebs zu erkranken. In einer Studie der Harvard-Universität, die mit 47.894 Männern durchgeführt wurde, fanden die Forscher, dass der Verzehr von 10 oder mehr Portionen Tomaten-Produkten pro Woche mit einem 34 Prozent geringeren Risiko von Prostatakrebs verbunden war (15). In einer großen europäischen Untersuchung (EPIC-Studie) zeigte sich beim Vergleich von Personen mit den höchsten und niedrigsten Plasma-Lycopin-Spiegeln eine 60-prozentige Risikominderung für das Auftreten eines fortgeschrittenen Prostatakarzinoms bei Personen mit hoher Lycopin-Aufnahme (23).

Fasst man die Vielzahl der positiven Studienergebnisse zusammen, so beträgt die geschätzte Risikoreduktion für das Prostata-Karzinom 30 bis 40 Prozent, allerdings ist die Datenlage aufgrund widersprüchlicher Ergebnisse nicht eindeutig (16, 17).

Zu entgegengesetzten Ergebnissen kommt z.B. eine Fall-Kontrollstudie an über 3400 Personen. In dieser Untersuchung zeigte sich kein Zusammenhang zwischen der Höhe der Lycopin-Spiegel im Blut und dem Risiko an einem Prostatakrebs zu erkranken (25, 44).

Gestützt werden die positiven Studiendaten zu Lycopin durch tierexperimentelle Untersuchungen, in denen sich ebenfalls eine schützende Wirkung einer auf Tomaten basierenden Ernährung hinsichtlich des Prostata-Karzinoms fand (49). Auf molekularer Ebene sind die Mechanismen, die zu einer Hemmung des Tumorwachstums beitragen, bekannt (49). Eine neuere Übersichtsarbeit bestätigt die Relevanz der antiproliferativen, antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen von Lycopin bei der Prävention von Prostatakrebs. Trotzdem sei nach Einschätzung der Studienautoren die Datenlage nicht ausreichend, um eine allgemeine Empfehlung zur Einnahme von Lycopin zur Vorbeugung von Prostatakrebs auszusprechen (40, 49).

Mehrere Studien deuten zudem darauf hin, dass dem Lycopin nicht nur ein besonderer Stellenwert bei der Prophylaxe, sondern auch bei der Behandlung von Prostatakrebs zukommt.

Lycopin zur Vorbeugung von Krebserkrankungen – Wie hoch sollte die tägliche Zufuhr an Lycopin liegen?

Weder die optimale Dosierung noch die ideale Formulierung sind zurzeit bekannt. Dosierungen von 10 mg einmal täglich bis zu 15 mg zweimal täglich wurden in Studien an Patienten mit Prostatakrebs untersucht und zeigten eine positive Wirkung. Nach gegenwärtigem Stand sind wahrscheinlich bereits Mengen von 6 mg täglich zur Prävention wirksam (21). Es ist wahrscheinlich, dass diese Mengen an Lycopin allein über diätetische Maßnahmen erreicht werden können.

Unterstützende Tumortherapie mit Lycopin beim Prostata-Karzinom

Lycopin wurde wiederholt eingesetzt, um das Fortschreiten der Tumorerkrankung nach Diagnosestellung zu verlangsamen (17, 21).

In einer ersten Untersuchung erhielten 33 Patienten mit Prostatakrebs entweder 30 mg Lycopin oder ein Placebo für 30 Tage vor einer Operation. Ergebnis: Die weitere Ausbreitung des Prostata-Karzinoms konnte in 67 Prozent der Patienten unter Lycopin im Vergleich zu 44 Prozent in der Kontrollgruppe verhindert werden.

Eine weitere Studie hat geprüft, ob eine Diät reich an Tomatensoße nach der Diagnose eines Prostatakrebses einen Einfluss auf die Tumorprogression hat. Dabei zeigte sich, dass ein hoher Konsum an Tomatensoße mit einem substanziell geringeren Risiko für die Tumorprogression einherging (7). Eine zusätzliche Mahlzeit mit Tomatensoße pro Tag war mit einem um 50 Prozent verringerten Risiko des Fortschreitens der Erkrankung verbunden (gemessen anhand eines PSA-Anstiegs oder einer Metastasierung in die Lymphknoten bzw. in die Knochen oder andere Organe).

In einer Untersuchung an 66 Patienten mit Prostatakrebs, die auf eine Operation zur Entfernung der Prostata warteten, wurde geprüft, ob die Zufuhr von Lycopin (30 mg tägl.) einen Einfluss auf den PSA-Spiegel hat. Während in der Lycopin-Gruppe der PSH-Wert von 10.9 auf 8,7 ng/ml abfiel.
Kontrollierten Studien zufolge hat Lycopin auch einen Einfluss auf die Tumor-bedingten Symptome bei Patienten mit Prostatakrebs (1). Insbesondere die Knochenschmerzen verbesserten sich signifikant bei Patienten, die unterstützend täglich 10 mg Lycopin über einen Zeitraum von 3 Monaten erhalten hatten. 62 Prozent der Patienten konnten demnach ihre Schmerzmedikation reduzieren (1). In einer weiteren Untersuchung verbesserte sich unter der Lycopin-Einnahme der Urin-Spitzenfluss signifikant im Vergleich zur Kontrollgruppe. Auch bei den subjektiven Beschwerden der Patienten (Harndrang, Schmerzen beim Wasserlassen) zeigten sich Vorteile für Lycopin (1).

Die Datenlage zur Überlebensrate, als der wichtigste Parameter in Bezug auf die Progression des Prostatakrebses, ist nicht eindeutig. Es liegen zu dieser Fragestellung nur wenig überzeugende Daten vor. In einer Untersuchung wurde eine längere Überlebenszeit für die Lycopin-Gruppe im Vergleich zur Kontroll-Gruppe berichtet (1).

Obwohl 4 von 6 Studien eine Abnahme der PSA-Spiegel unter der Lycopin-Behandlung zeigten und diese Veränderung allgemein als Nachweis für eine verlangsamte Tumorprogression gilt, können diese Daten noch nicht als sicherer Beleg für eine positive Wirkung von Lycopin auf die Prostata-Progression angesehen werden (17, 26, 44, 49).

Dosierung von Lycopin bei Prostatakrebs

Die optimale Dosis für eine Supplementation von Lycopin ist bisher noch nicht bekannt. In Studien zur Krebstherapie wurden beispielsweise erfolgreich 2x tägl. 15 mg zur Hemmung des Tumorwachstums bei Prostatakrebs eingesetzt (21). In epidemiologischen Studien erwiesen sich 6 mg Lycopin täglich als vorteilhaft zur Vorbeugung von Prostatakrebs (21).

Verträglichkeit

Eine Lycopin-Supplementierung in Dosen bis zu 120 mg/Tag über einen Zeitraum von bis zu einem Jahr wurde von Patienten mit Prostatakrebs gut toleriert (9).

Ausblick

Es sind weitere Studien notwendig, um die am besten geeignete Dosierung, die optimale Länge der Behandlung und die ideale Formulierung zu identifizieren.

Fazit

Die wissenschaftliche Literatur über den Zusammenhang der Lycopin-Aufnahme bzw. der Lycopin-Spiegel im Blut und dem Auftreten eines Prostata-Karzinoms ist insgesamt nicht eindeutig (44, 48, 49).

Trotz der inkonsistenten Daten kann die zusätzliche Lycopin-Aufnahme bzw. eine Ernährung mit hohem Anteil an Tomatenprodukten als eine gut verträgliche Option zur Vorbeugung vor Prostatakrebs empfohlen werden (21). Es liegen zudem erste Hinweise für die Wirksamkeit von Lycopin zur unterstützenden Behandlung eines Prostata-Karzinoms vor. Möglicherweise lassen sich die besonders aggressiven Verlaufsformen des Prostatakrebses durch eine frühzeitige Lycopin-Einnahme günstig beeinflussen (44).


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