Mutterkraut zur Vorbeugung von Migräne-Kopfschmerzen



Studien zufolge soll die langfristige vorbeugende Einnahme von Mutterkrautextrakt signifikant die Anzahl und Schwere von Migräneanfällen vermindern. Zudem liegen Hinweise vor, dass Mutterkraut sich positiv auf die Begleiterscheinungen einer Migräne wie Übelkeit, Schwindel und Erbrechen auswirke. Im folgenden Beitrag wird die aktuelle Studienlage zur Wirksamkeit von Mutterkraut zur vorbeugenden Behandlung der Migräne dargestellt und bewertet.



Hintergrund

Migräne ist eine der häufigsten Kopfschmerzformen. Die Prävalenz der Migräne liegt zwischen 10 und 15 % (7, 9).

Für viele Erwachsene bedeuten auch die episodisch auftretenden Migräne-Attacken eine deutliche Einschränkung ihrer Lebensqualität und bedürfen deshalb wenn möglich präventiver Maßnahmen. Ziel der medikamentösen Prophylaxe ist eine Reduzierung von Häufigkeit, Schwere und Dauer der Migräneattacken und die Vorbeugung des medikamenteninduzierten Dauerkopfschmerzes. Angestrebt werden sollte mit der Migräneprophylaxe eine mindestens 50%-ige Reduzierung des Auftretens von Migräne, allerdings bei einer insgesamt guten Verträglichkeit.

Eine medikamentöse Prophylaxe der Migräne ist angezeigt bei besonderem Leidensdruck und Einschränkung der Lebensqualität. Als zusätzliche Kriterien werden 3 und mehr Migräneattacken pro Monat genannt, aber auch Migräneattacken, die regelmäßig länger als 72 Stunden anhalten.


Mutterkraut

Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Äußerlich hat Mutterkraut eine große Ähnlichkeit mit Echter Kamille (Matricaria chamomilla). Ursprünglich war das Mutterkraut im östlichen Mittelmeergebiet beheimatet. Traditionell wird das Mutterkraut als Zierpflanze aber auch als Heilpflanze kultiviert. Typisch ist ihr campherartiger Geruch, der auf den hohen Campheranteil im ätherischen Öl zurückgeführt werden kann.


Anwendung

In der Naturheilkunde findet Mutterkraut Verwendung zur Vorbeugung von Migräneanfällen.
Die Monographie der ESCOP (European Scientific Cooperative on Phytotherapy) nennt die Migräneprophylaxe als Indikation für Mutterkraut.


Wirkstoffe

Als Wirksamkeit bestimmender Inhaltsstoff gilt das Parthenolid, ein Sesquiterpenlacton.


Mutterkraut als Arzneimittel

In Deutschland gibt es bisher kein zugelassenes Arzneimittel mit den Wirkstoffen Mutterkraut oder Parthenolid.
In der Schweiz wird das Präparat Arkocaps Partenelle, 200 mg mit dem Wirkstoff Tanaceti Parthenii Herba (Mutterkraut) angeboten. In Großbritannien ist Mutterkraut unter dem Handelsnamen MigraHerb® mit 100 mg Extrakt erhältlich.


Dosierung und Therapiedauer 

Das Europäische Arzneibuch empfiehlt mindestens 125 mg eines standardisierten Trockenextraktes mit 0,2 Prozent Parthenolid. Die ESCOP-Monographie nennt als Tagesdosis der Droge ein Äquivalent von 0,2 bis 0,6 mg Parthenolid. In Studien wurden dementsprechend tägliche Dosierungen von 100 bis maximal 300 mg Mutterkraut eingesetzt. In weiteren Studien wurde ein besonderer CO2-Extrakt aus Mutterkraut in der Dosierung von 3 x täglich 6,25 mg verwendet. Die Behandlungsdauer in Studien zur Prophylaxe von Migräne lag zwischen 12 und 16 Wochen.


Leitlinien-Empfehlung zur Migräneprävention

Zur Migräneprävention sprechen die Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurologie folgende Empfehlungen aus (Stand Sept. 2012):
• Mittel der ersten Wahl sind die Betablocker Propranolol und Metoprolol, der Kalziumantagonist Flunarizin sowie die Antikonvulsiva Valproinsäure und Topiramat.

• Als Migräneprophylaktika der zweiten Wahl finden neben Amitriptylin, Venlafaxin, Naproxen und Acetylsalicylsäure auch Magnesium, Vitamin B2, Coenzym Q10, Pestwurz und Mutterkraut Erwähnung. 

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Studien zur Wirksamkeit von Mutterkraut

Dass die Wirksamkeit von Tanacetum parthenium (Mutterkraut) entscheidend von der Dosis abhängig ist und auch wesentlich vom Schweregrad der Migräne beeinflusst wird, darauf weisen die Ergebnisse einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an 147 Migränepatienten hin (6). Im Ergebnis zeigte sich, dass nur Patienten mit mindestens 4 Migräneanfällen pro Monat im Ausgangsbefund von der Mutterkraut-Anwendung profitierten. Zudem war nur die dreimal tägliche Anwendung von jeweils 6,25 mg dieses Spezial-Extraktes aus Mutterkraut wirksam. Bei diesen Betroffenen sank die Migränehäufigkeit unter der Mutterkraut-Behandlung um durchschnittlich 1,8 Attacken pro Monat im Vergleich zur Abnahme um 0,3 in der Placebogruppe (6). Die Häufigkeit von unerwünschten Nebenwirkungen unter der Mutterkraut-Einnahme war vergleichbar mit der Placebo-Anwendung.

In einer Nachfolgestudie wurde die Wirksamkeit und Verträglichkeit eines CO2-Extraktes aus Mutterkraut (MIG-99, 6,25 mg dreimal täglich) zur Vorbeugung von Migräne in einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Doppelblind-Studie an 170 Patienten mit Migräne untersucht (2). Die Behandlung erfolgte über 16 Wochen. Primärer Studienendpunkt war die durchschnittliche Zahl an Migräneanfällen pro Monat unter der Behandlung im Vergleich zum Ausgangswert. Ergebnis: Die Migränehäufigkeit sank um 1,9 (von 4,76 auf 2,86) Attacken pro Monat in der Mutterkraut-Gruppe in Vergleich zu -1,3 Anfällen in der Placebo-Gruppe (p = 0,0456). Unerwünschte Ereignisse, die möglicherweise im Zusammenhang mit der Studienmedikation standen, wurden bei 8,4 % der mit Mutterkraut behandelten Personen und bei 10,2 % unter Placebo beobachtet. Die Studienautoren schlussfolgerten dementsprechend, dass Mutterkraut wirksam zur Verminderung der Migränehäufigkeit sei und dabei ein günstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis aufweise (2) .


Mutterkraut in Kombination mit anderen Behandlungsmethoden

In einer Placebo-kontrollierten Studie wurden 60 Migräne-Patienten mit durchschnittlich 2 bis 6 Anfällen pro Monat entweder mit einer Kombination aus Mutterkraut und Ingwer oder Placebo behandelt (1). Die Einnahme erfolgte immer dann, wenn die Betroffenen die ersten Anzeichen einer Migräne wahrnahmen. Ergebnisse: Zum Zeitpunkt 2 Stunden nach Einnahme der Medikation waren signifikant mehr Personen vollständig schmerzfrei bzw. hatten deutlich reduzierte Migräne-Kopfschmerzen nach Einnahme der sublingualen Zubereitung aus Mutterkraut und Ingwer (LipiGesic®) im Vergleich zur Placebo-Anwendung (1).
Weitere Hinweise auf eine positive Wirkung von Mutterkraut in Kombination mit anderen Migränebehandlungen stammen aus unverblindeten, nicht-placebokontrollierten Untersuchungen. Dabei wurde z.B. für die kombinierte Behandlung aus 300 mg Mutterkraut und 300 mg Weidenrinde über 12 Wochen eine Abnahme der Migränehäufigkeit und -dauer dokumentiert (8).
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Die tägliche Gabe von 150 mg Mutterkraut zusätzlich zu einer Akupunkturbehandlung erwies sich bei 69 Frauen mit Migräne-Kopfschmerzen als wirksamer in Bezug auf die Lebensqualität und einen Migräne-Score als die alleinige Akupunkturbehandlung (3).

Auch die kombinierte Gabe von Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Mutterkraut wurde in einer kontrollierten Studie an 120 Migräne-Patienten über einen Zeitraum von 12 Wochen untersucht (5). Im Ergebnis zeigte sich, dass für die Kombination aus täglich 100 mg Mutterkraut, 300 mg Magnesium und 400 mg Riboflavin zwar bei 42 % der Patienten eine mindestens 50-prozentige Abnahme der Migräneanfälle dokumentiert werden konnte, dieser Unterschied aber keine Signifikanz im Vergleich zur Kontrollgruppe erreichte. Formal war damit die Kombinationsbehandlung zur Vorbeugung von Migräne-Anfällen nicht wirksamer als die Vergleichsgruppe, die nur 25 mg Riboflavin erhalten hatte (5).


Verträglichkeit

Die wenigen kontrollierten Studien zur Anwendung von Mutterkraut-Extrakten weisen auf eine gute Verträglichkeit hin. In den veröffentlichten Studien wurden Nebenwirkungen unter der Mutterkraut-Anwendung nicht häufiger beobachtet als unter der Placebogabe (2, 6). Als häufigste Nebenwirkungen werden Magen-Darm- und Atemwegsbeschwerden genannt.


Fazit

Kontrollierte Studien deuten darauf hin, dass die vorbeugende Einnahme von Mutterkraut in ausreichender Dosierung geeignet ist, die Häufigkeit von Migräne-Anfällen zu vermindern. Die Studiendaten legen nahe, dass dieses Ziel nicht mit allen angebotenen Mutterkraut-Zubereitungen im gleichen Maße erreicht werden kann. Voraussetzung für ein Therapieansprechen ist demnach neben einer ausreichenden Behandlungsdauer von mindestens 12 Wochen die Anwendung eines Mutterkraut-Extraktes mit nachgewiesener Wirksamkeit. 

Weitere Informationen zur Migräne-Prophylaxe:




http://www.amazon.de/Naturheilmittel-Arzneimittel-wissenschaftlicher-Phytopharmaka-Evidenzbasierte/dp/1493706365/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1388060944&sr=8-1&keywords=naturheilmittel+pflanzliche+arzneimittel

Literatur, Quellenangabe

1. Cady RK, Goldstein J, Nett R, Mitchell R, Beach ME, Browning R. A double-blind placebo-controlled pilot study of sublingual feverfew and ginger (LipiGesic™ M) in the treatment of migraine. Headache. 2011 Jul-Aug;51(7):1078-86.

2. Diener HC, Pfaffenrath V, Schnitker J, Friede M, Henneicke-von Zepelin HH. Efficacy and safety of 6.25 mg t.i.d. feverfew CO2-extract (MIG-99) in migraine prevention--a randomized, double-blind, multicentre, placebo-controlled study. Cephalalgia. 2005 Nov;25(11):1031-41.

3. Ferro EC, Biagini AP, da Silva ÍE, Silva ML, Silva JR. The combined effect of acupuncture and Tanacetum parthenium on quality of life in women with headache: randomised study. Acupunct Med. 2012 Dec;30(4):252-7.

4. Leitlinien für Diagnostik und Therapie in der Neurologie, Stand: September 2012, Migräne, Therapie, http://www.awmf.org/leitlinien/detail/ll/030-057.html

5. Maizels M, Blumenfeld A, Burchette R. A combination of riboflavin, magnesium, and feverfew for migraine prophylaxis: a randomized trial. Headache. 2004 Oct;44(9):885-90.

6. Pfaffenrath V, Diener HC, Fischer M, Friede M, Henneicke-von Zepelin HH; Investigators. The efficacy and safety of Tanacetum parthenium (feverfew) in migraine prophylaxis--a double-blind, multicentre, randomized placebo-controlled dose-response study. Cephalalgia. 2002 Sep;22(7):523-32.

7. Pfaffenrath V, Fendrich K, Vennemann M et al. Regional variations in the prevalence of migraine and tension-type headache applying the new IHS criteria: the German DMKG Headache Study. Cephalalgia 2009; 29: 48–57.

8. Shrivastava R, Pechadre JC, John GW. Tanacetum parthenium and Salix alba (Mig-RL) combination in migraine prophylaxis: a prospective, open-label study. Clin Drug Investig. 2006;26(5):287-96.

9. Yoon MS, Katsarava Z, Obermann M et al. Prevalence of primary headaches in Germany: results of the German. Headache Consortium Study. J Headache Pain 2012; 13: 215–223.


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