Welche Wirkungen hat Curcumin beim Menschen?

 

Entzündungshemmende Eigenschaften von Curcumin


In diesem Beitrag werden folgende Fragen beantwortet:

  • Welche Erkrankungen profitieren von einer Behandlung mit Curcumin?
  • Hilft Curcumin bei Verdauungsstörungen?
  • Hat Curcumin eine Cholesterin-senkende Wirkung?
  • Morbus Parkinson und Alzheimer-Erkrankung – Ist eine Behandlung mit Curcumin hilfreich?


Hintergrund

Kurkuma ist ein Gelbwurzelextrakt und als wesentlicher Bestandteil von Curry-Mischungen bekannt. Curcumin (Diferuloylmethan) ist der farbgebende Bestandteil der Curcuma-Pflanze.

Als charakteristische Einzelstoffe von Curcuma gelten die Curcuminoide und das ätherische Öl.

Zur Gattung Curcuma zählen u.a. Curcuma longa und Curcuma xanthorrhiza. Weitere Bezeichnungen für Curcuma longa sind Gelbwurzel, Kurkumawurzel sowie Turmeric. Curcuma xanthorrhiza wird auch als Javanische Gelbwurz oder Javanischer Gelbwurzelstock bezeichnet.
Curcuma longa ist im Gegensatz zur Javanischen Gelbwurz Curcuma xanthorrhiza in Indien heimisch.
Die Gattung Curcuma verlangt ein heißes und feuchtes Klima.


Anwendungsgebiete

Für beide Curcuma-Arten liegt eine über Jahrhunderte zurückreichende Anwendungstradition vor.
Curcumawurzelstock wurde traditionell bei Gelbsucht, bei Darmbeschwerden und bei entzündlichen Prozessen der Haut angewandt.
In der Naturheilkunde gilt Curcumin heute als ein entzündungshemmendes Mittel, das bei vielen chronischen entzündlichen Erkrankungen wie z.B. der Rheumatoiden Arthritis oder Osteoarthritis angewandt wird.
Aufgrund der ausgeprägten choleretischen Wirkung (den Gallefluss steigernd) wird Curcumin auch bei Verdauungsbeschwerden, insbesondere bei Störungen der Fettverdauung eingesetzt.


Welche Wirkungen werden dem Curcumin zugeschrieben?

Curcumin soll den Cholesterinspiegel senken, antioxidativ und antientzündlich wirken und außerdem Krebserkrankungen positiv beeinflussen. Aufgrund seiner entzündungshemmenden Wirkung wird die Anwendung von Curcumin bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, nach chirurgischen Eingriffen, bei entzündlichen Hauterkrankungen und auch zur Behandlung der Gelenkarthrose empfohlen. Auch die Behandlung von Lungenerkrankungen, wie COPD oder Asthma bronchiale wird diskutiert. Im Rahmen von koronaren Bypass-Operationen wurde Curcumin erfolgreich zur Senkung der Komplikationsrate eingesetzt. Curcumin soll auch altersbedingte Abbauprozesse im Gehirn verlangsamen und das Risiko für das Auftreten der Alzheimer-Erkrankung senken.


Eine Auswahl von in der wissenschaftlichen Literatur dokumentierten Wirkungen von Curcumin:

 

Verdauungsfördernde, choleretische Wirkung

Tierexperimentelle Daten belegen eine den Gallefluss steigernde Wirkung der Curcuminoide (6).


Lipidsenkende Eigenschaften

Neben Untersuchungen im Tiermodell deuten auch klinische Studien auf einen lipidsenkenden Effekt von Curcumin hin. Nach einer 30-tägigen Behandlung mit Curcumin wurde eine Abnahme von LDL-Cholesterin und Apolipoprotein B sowie eine Erhöhung des HDL-Cholesterins und von Apolipoprotein A beschrieben (13).

Die Cholesterin-senkende Wirkung von Curcumin konnte in einer klinischen Studie aus Thailand bestätigt werden. Unter der Einnahme von täglich 500 mg Curcumin über 7 Tage konnte eine signifikante Abnahme der Cholesterin- und Triglycerid-Spiegel dokumentiert werden (12).

In einer weiteren kontrollierten Studie erhielten 75 Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom zusätzlich zu ihrer Standardtherapie Curcumin in drei unterschiedlichen Dosierungen. Die Ergebnisse bestätigen vorausgehende Untersuchungen, wonach die Einnahme von Curcumin zu einer Reduktion des LDL-Cholesterins und der Triglyceride, sowie zu einer Zunahme des HDL-Cholesterins führt (1).


Wirkung von Curcumin beim Diabetes mellitus

Erste klinische Daten deuten darauf hin, dass Curcumin möglicherweise die Entwicklung eines Diabetes mellitus bzw. das Fortschreiten eines Prä-Diabetes verhindern kann (4). In einer Placebo-kontrollierten Studie an 240 Patienten wurde geprüft, ob es unter der täglichen Einnahme von Curcumin (1,5 g Curcuminoide) seltener zum Auftreten eines manifesten Diabetes mellitus kommt als unter der Placebo-Gabe. Nach einer Behandlungsdauer von 9 Monaten mit Curcumin konnte bei Patienten mit einer gestörten Glukosetoleranz ein signifikant geringeres Fortschreiten zu einem manifesten Diabetes beobachtet werden. Während 19 Patienten aus der 116 Patienten umfassenden Placebo-Gruppe einen manifesten Diabetes entwickelten, erkrankte kein Patient in der Curcumin-Gruppe (119 Patienten) an einem manifesten Diabetes. Vorangehende Untersuchungen hatten gezeigt, dass Curcumin die Beta-Zellfunktion verbessert, möglicherweise durch einen spezifisch entzündungshemmenden Effekt (4).

Eine kürzlich veröffentlichte Übersichtsarbeit bescheinigt Curcumin eine entzündungshemmende Wirkung (19). Curcumin kann den Daten zufolge die durch eine Adipositas induzierte Insulin-Resistenz verzögern bzw. ihr vorbeugen. Auch treten den Daten zufolge die mit der Insulinresistenz einhergehenden Komplikationen wie die Atherosklerose und Lebererkrankungen seltener auf.


Insulinresistenz

Dass Curcumin auch bei dem häufig mit einer Adipositas assoziierten Typ-II-Diabetes wirksam sein könnte, darauf deutet der positive Einfluss von Curcumin auf eine bestehende Insulin-Resistenz hin (15).


Diabetische Mikroangiopathie

In einer klinischen Untersuchung von Diabetes-Patienten mit Mikroangiopathie wurde eine spezielle Curcumin-Zubereitung (Meriva®) mit verbesserter Bioverfügbarkeit eingesetzt (2). Unter einer täglichen Dosis von 1 g Meriva® über einen Zeitraum von 4 Wochen verbesserte sich bei 25 nicht-insulinpflichtigen Diabetes-Patienten die Mikrozirkulation im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe. Die Autoren sehen in der Curcumin-Therapie eine gut verträgliche, sinnvolle Behandlungsoption für Diabetes-Patienten mit Mikroangiopathien (2).


Diabetische Neuropathie

Als Folge des Diabetes können sich neuropathische Schmerzen entwickeln. In tierexperimentellen Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass Curcumin die Diabetes-bedingte Hyperalgesie (verstärkte Schmerzwahrnehmung) reduziert. Als möglicher Wirkmechanismus wird die Hemmung von proinflammatorisch wirkenden Zytokinen, wie TNF-alpha diskutiert (18).


Wirkung von Curcumin bei Bluthochdruck

Weitere Untersuchungen deuten darauf hin, dass Curcumin den negativen Folgen einer Bluthochdruckerkrankung vorbeugen kann. In einer tierexperimentellen Studie zeigte sich, dass Curcumin den strukturellen Umbau der Blutgefäße als Folge einer Hypertonie hemmt und damit den weiteren Anstieg des Blutdrucks verhindern kann (17).

In einer klinischen Untersuchung bestätigte sich der positive Einfluss von körperlichem Training und der gleichzeitigen Einnahme von Curcumin auf hämodynamische Parameter und den Blutdruck bei 45 postmenopausalen Frauen nach einer 8-wöchigen Behandlung (16).

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Wirkung von Curcumin bei Nierenerkrankungen



Lupus erythematodes

Ersten klinischen Daten zufolge könnten Patienten mit der Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes mit Beteiligung der Niere (Lupus Nephritis, Membranöse Glomerulonephritis) von einer Curcumin-Behandlung profitieren (9). In einer kleinen, Placebo-kontrollierten Untersuchung von 24 Patienten wurde die Wirksamkeit der täglichen Einnahme von 1,5 g Curcuma verteilt auf drei Einzeldosen über einen Zeitraum von 3 Monaten geprüft. Im Ergebnis zeigte sich eine signifikante Abnahme der Proteinurie, der Hämaturie und des systolischen Blutdrucks im Behandlungsverlauf unter der Curcuma-Gabe. In der Kontrollgruppe zeigten sich keine signifikanten Änderungen dieser Parameter bei den Patienten mit einer Lupus Nephritis (9).


Wirkung von Curcumin bei neurodegenerativen Erkrankungen: Morbus Alzheimer und Morbus Parkinson

Auch für die Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen wie dem Morbus Parkinson und der Alzheimer-Krankheit wird Curcumin ein therapeutisches Potenzial zugeschrieben (5, 11). In einer kürzlich veröffentlichten Übersichtsarbeit wurden die präklinischen Daten zur Wirkung von Curcumin, insbesondere die anti-entzündlichen und anti-oxidativen Effekte, analysiert. Die Ergebnisse legen nahe, dass durch eine frühzeitige Behandlung mit Curcumin das Fortschreiten beider Erkrankungen günstig beeinflusst werden könnte. Um als neuroprotektive Substanz wirksam angewendet werden zu können, gilt es den Autoren zufolge aber noch, das Problem der schlechten Bioverfügbarkeit von Curcumin zu lösen (5).


Alzheimer Erkrankung

Mehreren Fallberichten zufolge könnte Curcumin die Symptome von Patienten mit Morbus Alzheimer positiv beeinflussen. Die Langzeit-Behandlung führte bei einzelnen Patienten zu einer Besserung der Verhaltensauffälligkeiten (19). Diese Beobachtungen bedürfen allerdings einer Bestätigung durch Placebo-kontrollierte Untersuchungen.


Weitere Erkrankungen, die von einer Curcumin-Anwendung profitieren könnten



Depression

Das auch Patienten mit einer Depression von einer ergänzenden Behandlung mit Curcumin profitieren könnten, darauf deuten erste klinische Daten an Patienten hin, die täglich 500 mg Curcumin zusätzlich zur antidepressiven Therapie mit Escitalopram oder Venlafaxine erhalten hatten (20). Allerdings ist der Wirkmechanismus von Curcumin bei der Depression trotz vielfältiger experimenteller Untersuchungen weiterhin unklar (21).


Zahnheilkunde

Alternative Anwendungen von Curcumin beziehen sich auf den Bereich der Zahnheilkunde. Aufgrund seiner antientzündlichen, antiseptischen Wirkeigenschaften könnten sich Curcumin-Zubereitungen als Mundspüllösungen auch zur Behandlung einer Paradontose eignen (22). Erste klinische Daten sprechen für eine Wirksamkeit einer Curcumin-Mundspüllösung zur Behandlung von Zahnfleischentzündungen. In einer Vergleichsuntersuchung mit der Standardbehandlung (Chlorhexidin) zeigte sich eine vergleichbar gute Wirksamkeit von Curcumin ergänzend zu einer mechanischen Paradontose-Behandlung (23).


Mukoviszidose

Ein Forscherteam der Yale University konnte in einer Studie an Mäusen nachweisen, dass Curcumin in niedriger Dosierung die Symptome der Mukoviszidose (Zystische Fibrose) bessert (3).


Prävention von Schäden durch chronischen Alkoholkonsum

Auch die Folgen eines chronischen Alkoholkonsums lassen sich möglicherweise durch eine begleitende Curcumin-Einnahme abmildern. Untersuchungen an Ratten deuten darauf hin, dass Curcumin die sich entwickelnden kognitiven Defizite eines chronischen Alkoholkonsums günstig beeinflussen kann (24).

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Alkoholvergiftung

In einer japanischen Untersuchung fanden sich erste Hinweise, dass Curcumin in einer gut bioverfügbaren Formulierung (Theracurmin®) eine neue Option zur Behandlung der Alkoholintoxikation darstellen könnte (14).


Prävention der Folgen einer Medikamenten-Überdosierung

Das breite Anwendungsgebiet von Curcumin verdeutlichen auch Untersuchungen zur Vorbeugung von Leberschäden infolge einer Paracetamol-Überdosierung. Auch in diesem Tiermodell erwies sich Curcumin als wirksam (25).


Verminderung der Resistenzentwicklung von Antibiotika

Die Methicillin-Resistenz von Staphylococcus aureus (MRSA) stellt ein zunehmendes Problem infizierter Patienten dar. Dass Curcumin auch eine antibiotische Aktivität aufweist, zeigen verschiedene Untersuchungen. Dabei reduzierte Curcumin u.a. die minimale Hemmkonzentration verschiedener untersuchter Antibiotika, u.a. von Oxacillin, Ampicillin und Norfloxacin. Die Autoren sehen im Curcumin einen möglichen Partner von neuen Kombinations-Antibiotika (26).


Helicobacter-pylori-Infektion

Bei der Behandlung der Helicobacter-pylori-Infektion zeigte Curcumin im Vergleich zur antibiotischen Standardtherapie keine Wirksamkeit (10).


Oxidativer Stress bei Beta-Thalassämie

Als Folge der Erkrankung sind Patienten mit einer Beta-Thalassämie – einer Synthesestörung des Hämoglobins - einem ausgeprägten oxidativen Stress ausgesetzt. Die Gabe von täglich 500 mg Curcumin führt einer Untersuchung zufolge bei 21 Patienten mit Beta-Thalassämie zu einer Besserung aller untersuchten Parameter und damit zu einer Verminderung von oxidativem Stress (7).


Dosierung

In klinischen Studien mit positiven Ergebnissen wurden zwischen 1 und 3 g Curcumin täglich in Form von Kapseln zur oralen Therapie angewendet. In einzelnen Untersuchungen mit kleinen Patientenkollektiven wurden bis zu 6 g Curcumin pro Tag verabreicht. Spezielle Zubereitungen mit einer verbesserten Resorption im Darm verwenden demgegenüber deutlich geringere Tagesdosen (Meriva®, Theracurmin®).


Verträglichkeit

In den bisher publizierten klinischen Untersuchungen wurde die Verträglichkeit von Curcumin allgemein als gut bezeichnet. Studienberichten zufolge wurden Magen-Darm-Probleme, wie Übelkeit, eine erhöhte Stuhlfrequenz oder leichte Blähungen unter der regelmäßigen Einnahme von mehreren Gramm Curcumin pro Tag beobachtet. In Einzelfällen wurde von einer vorübergehenden Erhöhung des Blutdrucks berichtet.


Diskussion



Bioverfügbarkeit von Curcumin

Eine Erklärung für die Tatsache, dass sich bisher nur wenige der vielversprechenden In-vitro-Wirkungen von Curcumin in klinischen Untersuchungen beim Menschen bestätigen ließen, kann in der geringen oralen Bioverfügbarkeit von Curcumin begründet liegen. Bei Menschen fand man selbst nach der Einnahme von 12 Gramm Curcumin in Kapselform nur geringe Mengen der Wirkstoffe im Blut.

Eine japanische Forschergruppe hat eine Curcumin-Formulierung (Theracurmin®) mit hoher Bioverfügbarkeit entwickelt. Erste pharmakokinetische Untersuchungen am Menschen konnten nach Einnahme der auf einer Nanopartikel-Technologie basierenden Formulierung 27-fach höhere Plasmaspiegel nachweisen als nach Einnahme von konventionellem Curcumin-Pulver (14). Eine weitere Untersuchung (8) bestätigt die Dosisabhängigkeit der Blutspiegel, bei einer Anwendung von 150 bzw. 210 mg Curcumin (als Theracurmin®). Als mögliche Nebenwirkung wurde über einen leichtgradigen Durchfall berichtet.


Fazit

Aus den bisher vorliegenden klinischen Studiendaten lassen sich keine gesicherten Aussagen zur Wirksamkeit von Curcumin ableiten. Erkrankungen, bei denen entzündliche Prozesse eine zentrale Rolle spielen, scheinen ganz allgemein von einer Behandlung mit Curcumin zu profitieren. Aufgrund seiner vielfältigen Wirkmechanismen könnte sich Curcumin zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Morbus Alzheimer oder Morbus Parkinson eignen. Auch zur Vorbeugung eines Diabetes mellitus oder zur Vermeidung von Spätschäden der Hypertonie liegen vielversprechende Daten vor. Weitere Erkrankungen wie die familiäre adenomatöse Polyposis (Darmpolypen) oder die Autoimmunerkrankung Lupus erythematodes könnten von einer Behandlung mit Curcumin profitieren. Im Wesentlichen auf Erfahrungsberichten und unkontrollierten Studien basiert die Anwendung von Curcumin bei funktionellen Verdauungsbeschwerden. Besonders eine gestörte Fettverdauung scheint auf eine Curcumin-Einnahme anzusprechen.


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Literatur

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