Arnika zur Behandlung von Schwellungen, Prellungen und Verstauchungen - wirksam oder unwirksam?


Ist Arnika bei Verletzungs- und Unfallfolgen wirksam? 

 

Wirkt Arnika bei rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden?


Hintergrund

Arnikablüten (Arnica flos) gehören aufgrund ihrer entzündungshemmenden Wirkung zu den bewährten Arzneipflanzen. Die Blüten enthalten ätherische Öle, Flavonoide und die wahrscheinlich wirksamkeitsbestimmende Substanzgruppe der Helenaline. Arnika (Arnica montana LINNÉ) sind gelbe Blumen, die weitverbreitet in Europa vorkommen. Zur Heilmittelherstellung wird u.a. das Arnikaöl verwendet.

Anwendungsgebiet von Arnika
Zur äußeren Anwendung bei Verletzungs- und Unfallfolgen, z.B. Hämatomen (Blutergüssen), Distorsionen (Verstauchungen), Prellungen, Quetschungen und rheumatischen Muskel- und Gelenkbeschwerden (2, 5). Es wurde auch über die Behandlung von Blutergüssen, Krampfadern, Insektenstichen und Venenentzündungen mit Arnika berichtet (12).


Zu beachten ist, dass Arnika-Präparate einen zum Teil deutlich unterschiedlichen Wirkstoffgehalt aufweisen. Zu den Arzneimitteln mit dem Wirkstoff Arnika zählen u.a.:


  • Arnika Schmerzfluid Lösung (Wigopharm GmbH), das einen Gehalt von 10 g Arnika-Tinktur pro 100 g Lösung aufweist.
  • Arnica Salbe 30 % (Weleda AG), 10 g Salbe enthalten als Wirkstoff 6 g ethanolischen Auszug aus Arnica montana.
  • Arnica Salbe (Wala), 10 g enthalten als Wirkstoff 0,5 g Arnica montana e planta tota ferm 33c.
  • Arnica Gel (Wigopharm GmbH), 10 g Gel enthalten 0,4 g Fluidextrakt aus Arnikablüten Ph. Eur. (1:1), Auszugsmittel: Ethanol 70 % (V/V).
  • Arnica Gelee (Weleda AG) 10 g enthalten 6 g Ethanol. Auszug aus Arnica montana, Planta tota rec. (Pflanze zu Auszugsmittel = 1:1,1).
  • Bei dem Präparat Traumeel® S Creme (Heel GmbH) handelt es sich um ein homöopathisches Arzneimittel, das Arnika nur in Spuren enthält (Arnica montana D3 0,150 g pro 100 g Creme).

Wirkmechanismus 

Für die äußerliche Anwendung sind in der Literatur antientzündliche und schmerzlindernde Eigenschaften beschrieben (2, 5). Für den Wirkstoff Helenalin wurde eine Hemmung von NF-κB berichtet (8). Die Aktivierung von NF-κB gilt als kritisch für die Entstehung von Entzündungen (5).


Studien zur Wirksamkeit

Arnika zur Behandlung venöser Insuffizienz (Varizen, Krampfadern)

Bei 89 Patienten mit chronisch venöser Insuffizienz (Varizen, Krampfadern) konnten in einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie eine Abnahme der Schwellung und eine Verminderung des Gefühls von schweren Beinen nachgewiesen werden (9). Die Patienten erhielten in dieser Studie über drei Wochen zusätzlich zur Hydrotherapie entweder eine Arnika-Lösung zum Auftragen auf die Beine und Füße oder eine Placebo-Zubereitung. Neben einer subjektiven Abnahme von Spannung und Schmerzen in den Beinen, zeigten sich auch bei objektiven Messparametern (plethysmographischen Untersuchung) signifikante Vorteile zugunsten der Arnika-Anwendung (9).


Arnika zur Linderung postoperativer Schmerzen 

In einer weiteren Untersuchung wurde geprüft, ob Arnika-Gel bei 37 Patienten die
postoperativen Schmerzen nach einer endoskopischen Behandlung des Karpaltunnel-Syndroms vermindern könnte. In dieser Studie wurde neben der Gel-Zubereitung aus Arnika auch eine homöopathische Zubereitung untersucht. Ergebnisse: Unter der Arnika-Gel-Anwendung berichteten die Patienten über eine signifikante Schmerzreduktion im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Bemerkenswert war die Tatsache, dass die homöopathische Zubereitung zu keiner besseren Schmerzabnahme führte als die Placebogabe (7, 11).

Weitere Hinweise für einen günstigen Effekt von Arnika auf postoperative Beschwerden lieferte eine Untersuchung von Patienten nach einer arthroskopischen Kniegelenksoperation.
Unter der Arnika-Anwendung wurde eine signifikante Abnahme der Gelenkschwellung beobachtet, eine Schmerzabnahme konnte hingegen nicht dokumentiert werden (3).


Arnika bei belastungsabhängigen Muskelschmerzen 

Nachdem frühere Untersuchungen erste Hinweise ergeben hatten (5), dass Arnika die muskulären Beschwerden nach einer ungewohnten Belastung vermindert, wurde in einer kürzlich veröffentlichten Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie an gut trainierten jungen Männer geprüft, ob das regelmäßige Auftragen einer Arnika-Gel-Zubereitung die Muskelschmerzen, als Zeichen der Muskelschädigung, nach einem belastenden Bergablauf vermindert und die Leistungsfähigkeit wiederherstellt. Ergänzend wurde untersucht, inwieweit sich Blutparameter der Entzündung und der Muskelschädigung durch die topische Behandlung mit Arnika beeinflussen lassen. Ergebnis: Arnika hatte weder einen Einfluss auf die Leistungsfähigkeit noch auf Entzündungsparameter im Blut. Den Daten zufolge scheint aber einer Verminderung von Muskelschmerzen in den Tagen nach der Belastung möglich (10). Dem entgegen stehen die Ergebnisse einer vorausgehenden Untersuchung, in der keine Wirkung von Arnika-Creme im Vergleich zu Placebo auf überlastungsbedingte Muskelschmerzen dokumentiert werden konnte (1).


Arnika zur Behandlung der Gelenkarthrose

Die äußere Behandlung der Gelenkarthrose mit Cremes und Salben nimmt einen wichtigen Stellenwert in der Selbstmedikation von Gelenkbeschwerden ein. Eine Übersichtsarbeit hat kürzlich geprüft, ob pflanzliche Zubereitungen die Schmerzen vermindern und die Gelenkfunktion verbessern können. In einer Untersuchung von 174 Patienten mit einer Arthrose im Handgelenk konnte für die Behandlung mit Arnika-Gel über drei Wochen eine vergleichbare Schmerzreduktion und Funktionsverbesserung wie unter der Behandlung mit Ibuprofen-Gel dokumentiert werden (4). Aufgrund des Fehlens einer Placebo-Gruppe müssen diese Ergebnisse allerdings mit Vorsicht interpretiert werden.
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Arnika zur Verminderung von Scherzen und Schwellungen nach Verstauchung des Sprunggelenks

Auch die Aussagekraft einer weiteren Studie zur Anwendung eines homöopathischen Arzneimittels (Traumeel® S) wird aufgrund des Fehlens einer Placebokontrolle als sehr begrenzt eingeordnet (6). Diese homöopathische Zubereitung enthält nur geringe Spuren von Arnika. In dieser Studie wurde die Anwendung von Traumeel® als Gel oder Salbe im Vergleich zu einer topischen Behandlung mit Diclofenac bei Patienten nach einer Sprunggelenks-Distorsion (Verstauchung) untersucht. Unter allen Behandlungen besserten sich sowohl die typischen Schwellungen als auch die Schmerzen unter der dreimal täglichen Anwendung über einen Zeitraum von 2 Wochen. Nach sieben Tagen gab es keinen signifikanten Unterschied zwischen Traumeel® S und Diclofenac. Die Autoren schließen aus diesen Ergebnissen auf eine Nicht-Unterlegenheit von Traumeel® S gegenüber der topischen Gabe von Diclofenac (6). Kritisch anzumerken bleibt, dass diese Art von Gelenktrauma sich aufgrund von Selbstheilung auch ohne Therapie im Beobachtungszeitraum von ein bis zwei Wochen deutlich gebessert hätte.


Dosierung 

Verwendung finden Creme, Gel und Lösungen mit einem Volumenanteil (Arnika-Blütenextrakt) von 5 bis 25 % (5). Salben soll bis max. 15 Prozent Arnikaöl enthalten.

Empfohlen wird, die betroffenen Hautareale zwei- bis dreimal täglich einzureiben, beispielsweise mit Arnika Schmerzfluid Lösung.


Verträglichkeit 

Arnikablüten dürfen nicht innerlich angewendet werden, Arnikablüten im Tee können bereits zu Vergiftungserscheinungen führen. Bei äußerer Anwendung können als Nebenwirkungen allergische Reaktionen auftreten (Juckreiz, Hautausschlag, Kontaktekzem) (5). Vorsicht geboten ist bei der Anwendung auf geschädigter Haut, es kann langfristig zu Bläschenbildung und Ekzemen kommen (2).


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Fazit

Verschiedene kontrollierte Untersuchungen deuten darauf hin, dass die äußere Anwendung von Arnikablüten-Extrakt als Lösung, Gel oder Creme sich günstig auf entzündlich bedingte Schwellungszustände auswirkt. Als Folge dieser Wirkung scheint eine Linderung der durch die Schwellung bedingten Schmerzen erreichbar. Möglicherweise profitieren auch Patienten mit Schwellungen und Spannungszuständen infolge einer chronisch venösen Insuffizienz (mit Varizen) von dieser Wirkung. Es liegen zudem Hinweise vor, dass auch das entzündliche Geschehen bei einer Gelenkarthrose günstig beeinflusst werden könnte. Eine Beeinflussung von überlastungsbedingten Muskelschmerzen durch die Behandlung mit Arnika-Zubereitungen erscheint hingegen wenig wahrscheinlich.

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Literatur / Quellenangaben

1. Adkison JD, Bauer DW, Chang T. The effect of topical arnica on muscle pain. Ann Pharmacother. 2010 Oct;44(10):1579-84.
2. Arnicae flos (Arnikablüten) Monographie BGA/BfArM (Kommission E), Erscheinungsdatum Bundesanzeiger: 5.12.1984, Heft 228, ACT-Code: D03CA.
3. Barlow T, Downham C, Barlow D. The effect of complementary therapies on post-operative pain control in ambulatory knee surgery: A systematic review. Complement Ther Med. 2013 Oct;21(5):529-34.
4. Cameron M, Chrubasik S.Topical herbal therapies for treating osteoarthritis. Cochrane Database Syst Rev. 2013 May 31;5:CD010538.
5. ESCOP 2003: ESCOP Monographs: The Scientific Foundation for Herbal Medicinal Products, 2nd edition. Exeter (UK): European Scientific Cooperative on Phytotherapy and Thieme; 2003.
6. González de Vega C, Speed C, Wolfarth B, González J. Traumeel vs. diclofenac for reducing pain and improving ankle mobility after acute ankle sprain: a multicentre, randomised, blinded, controlled and non-inferiority trial. Int J Clin Pract. 2013 Oct;67(10):979-89.
7. Jeffrey SL, Belcher HJ. Use of Arnica to relieve pain after carpal-tunnel release surgery. AlternTher Health Med. 2002 Mar-Apr;8(2):66-8.
8. Lyss G, Knorre A, Schmidt TJ, Pahl HL, Merfort I. The anti-inflammatory sesquiterpene lactone helenalin inhibits the transcription factor NF-kappaB by directly targeting p65. J Biol Chem. 1998 Dec 11;273(50):33508-16.
9. Mills S, Bone K. Principles and Practice of Phytotherapy, Churchill Livingstone, Harcourt Publishers, Grande-Bretagne, 2000.
10. Pumpa KL, Fallon KE, Bensoussan A, Papalia S.The effects of topical Arnica on performance, pain and muscle damage after intense eccentric exercise. Eur J Sport Sci. 2013 Aug 16. [Epub ahead of print]
11. Stevinson C, Devaraj VS, et al. Homeopathic arnica for prevention of pain and bruising: randomized placebo-controlled trial in hand surgery J R Soc Med. 2003 Feb;96(2):60-5.
12. Wikipedia.org, Arnika: http://de.wikipedia.org/wiki/Arnika.


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