Johanniskraut zur Behandlung der Depression - Update zur Wirksamkeit 2012

 

Hypericum perforatum (Johanniskraut)

Eine Übersichtarbeit zur Wirksamkeit kam bereit im Jahr 2008 zu dem Schluss, dass Johanniskraut-Präparate wirksam zur Behandlung der leichten bis mittelschweren Depression sind (Linde et al. 2008). Insgesamt wurden 29 klinische Studien mit 5489 Patienten analysiert. Demnach war Johanniskraut der Placebo-Gabe überlegen und den synthetischen Standard-Antidepressiva ebenbürtig.


Metanalyse zur Wirksamkeit von Johanniskraut im Vergleich zu Standard-Antidepressiva

Das Ziel dieser Metaanalyse war es, die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Johanniskraut mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) als eine Gruppe von Standard-Antidepressiva zu vergleichen (Rahimi et al. 2009). Dreizehn randomisierte, Placebo-kontrollierte klinische Studien wurden in die Auswertung eingeschlossen. In einem sehr differenzierten Vergleich fanden die Forscher keinen signifikanten Unterschied bei verschiedenen Wirksamkeitsparametern (Hamilton-Depressionsskala, Ansprechrate, Remission) zwischen Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (Fluoxetin, Paroxetin, Citalopram, Serteralin, Escitalopram, Fluvoxamin) und Johanniskraut. Auch bei den Nebenwirkungen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede, mit der Ausnahme, das die Abbruchrate unter den SSRI signifikant höher lag als unter Johanniskraut (Rahimi et al. 2009).


Weiterführende Information zur Qualität unterschiedlicher Johanniskraut-Extrakte und zur Verschreibungspflicht einzelner Johanniskraut-Präparate:



Ist Johanniskraut in der Langzeitbehandlung einer Depression genauso wirksam wie ein Serotonin-Wiederaufnahmehemmer?

Hypericum perforatum (Johanniskraut) wurde ausgiebig als Antidepressivum in Kurzzeit-Studien (Behandlungsdauer: 6 bis 12 Wochen) untersucht. Hingegen gibt es nur wenige Untersuchungen zur längerfristigen Wirksamkeit. In dieser Studie wurden 124 Patienten mit einer manifesten Depression über 26 Wochen entweder mit Johanniskraut (900 - 1500 mg tgl.), Sertralin (50 - 100 mg tgl., Serotonin-Wiederaufnahmehemmer) oder Placebo behandelt (Sarris et al. 2012). Wesentliches Ergebnis war der Rückgang der Symptome gemessen mit der Hamilton-Depressionsskala: Johanniskraut (6,6 ± 4,5), Sertralin (7,1 ± 5,4) und Placebo (5,7 ± 5,4). Der Unterschied zwischen den Behandlungen war jedoch nicht signifikant (p = 0,61). Sowohl Johanniskraut als auch Sertralin waren in der 26. Woche noch wirksam. Ein ausgeprägter „Placebo-Effekt“ verhinderte ein signifikantes Ergebnis. Auch diese Studie ergab keinen klinisch relavanten Vorteil eines Serotonin-Wiederaufnahmehemmers gegenüber Johanniskraut bei der Langzeit-Behandlung der Depression (Sarris et al. 2012).


Langzeit-Verträglichkeit von Johanniskraut

In einer weiteren Untersuchung wurde neben der Wirksamkeit auch die Langzeit-Verträglichkeit von Johanniskraut an insgesamt 440 Patienten über einen Zeitraum von einem Jahr untersucht (Brattström et al. 2009). Die Analyse der Verträglichkeit zeigte, dass bei 6 Prozent der Patienten Nebenwirkungen auftraten, die wahrscheinlich oder möglicherweise auf die Behandlung zurückzuführen waren. Am häufigsten klagten die Patienten über Magen-Darm-Beschwerden und Hautreaktionen. Es wurden keine relevanten Veränderungen von Blutparametern oder beim EKG innerhalb des einjährigen Behandlungszeitraums dokumentiert. Auch eine Gewichtszunahme wurde nicht beobachtet. Der Body-Mass-Index blieb unverändert. Die Analyse zur Wirksamkeit von Johanniskraut in einer Dosierung von 500 mg tgl. (Extrakt Ze 117) zeigte eine anhaltende Wirksamkeit über den gesamten Behandlungszeitraum. Der mittlere Wert der Hamilton-Depressionsskala sank von 20,58 zu Behandlungsbeginn auf 12,7 nach 26 Wochen und auf 11,2 nach 12 Monaten (Brattström et al. 2009).

Obwohl die Wirksamkeit von Johanniskraut bei der leichten bis mittelschweren Depression als gesichert gilt, gibt es immer wieder neuere Studienergebnisse, die diese Erkenntnis infrage stellen.
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Serotonin-Wiederaufnahmehemmer oder Johanniskraut – Wirksam auch bei leichter Depression?

In dieser Studie wurde die Wirksamkeit von Johanniskraut bei leichteren Formen von depressiven Störungen im Vergleich zu Citalopram (Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SRI)) untersucht (Rapaport et al. 2011). Die Daten stammen aus einer randomisierten klinischen Studie zur Wirksamkeit von Johanniskraut (810 mg pro Tag), Citalopram (20 mg pro Tag) oder Placebo bei Patienten mit leichten Depressionen. Ergebnisse: Aufgrund einer hohen Placebo-Ansprechrate bei allen Endpunkten, gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen Johanniskraut, Citalopram und Placebo in Bezug auf die Symptomausprägung, die Lebensqualität oder das Wohlbefinden am Ende der 12-wöchigen Behandlung. Hervorzuheben bleibt, dass die Behandlung mit Johanniskraut und Citalopram mit einer erheblichen Anzahl von Nebenwirkungen während der Behandlung verbunden war. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass leichtere Formen einer Depression nur unzureichend auf eine Behandlung mit Johanniskraut oder Citalopram ansprechen (Rapaport et al. 2011).


Rückfallquote - Wie groß ist die Gefahr nach Ende der Behandlung erneut zu erkranken?

In einer Studie aus Deutschland (Singer und Mitarbeiter 2011) wurde geprüft, ob sich Johanniskraut (900 mg tgl.) und Citalopram (20 mg tgl.) in der Rückfallquote nach erfolgreicher Therapie einer mittelschweren Depression unterscheiden. Gleichzeitig wurde die Dauer des Ansprechens auf die Therapie bestimmt. Die Ergebnisse im Einzelnen: Der Anteil von Patienten, die nach 6 Wochen erfolgreicher Behandlung einer Depression einen Rückfall hatten (Rückfallquote, gemessen mit der Hamilton-Depressionsskala > 10 Punkte) lag bei den Patienten, die Citalopram erhalten hatten bei 25,9 Prozent, während sie bei Patienten in der Johanniskraut-Gruppe nur bei 14,8 Prozent lag. Auch die Dauer des Ansprechens, also die Dauer bis zum erneuten Auftreten depressiver Symptome, war unter Johanniskraut länger als unter der Citalopram-Behandlung (Singer et al. 2011).


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Literatur


Linde K, Berner MM, Kriston L. St John's wort for major depression. Cochrane Database Syst Rev. 2008 Oct 8;(4):CD000448.

Sarris J, Fava M, Schweitzer I, Mischoulon D. St John's Wort (Hypericum perforatum) versus Sertraline and Placebo in Major Depressive Disorder: Continuation Data from a 26-Week RCT. Pharmacopsychiatry. 2012 May 16. [Epub ahead of print]

Rapaport MH, Nierenberg AA, Howland R, Dording C, Schettler PJ, Mischoulon D. The treatment of minor depression with St. John's Wort or citalopram: failure to show benefit over placebo. J Psychiatr Res. 2011 Jul;45(7):931-41.

Singer A, Schmidt M, Hauke W, Stade K. Duration of response after treatment of mild to moderate depression with Hypericum extract STW 3-VI, citalopram and placebo: a reanalysis of data from a controlled clinical trial. Phytomedicine. 2011 Jun 15;18(8-9):739-42.

Hojo Y, Echizenya M, Ohkubo T, Shimizu T. Drug interaction between St John's wort and zolpidem in healthy subjects. J Clin Pharm Ther. 2011 Dec;36(6):711-5.

Brattström A. Long-term effects of St. John's wort (Hypericum perforatum) treatment: a 1-year safety study in mild to moderate depression. Phytomedicine. 2009 Apr;16(4):277-83.

Rahimi R, Nikfar S, Abdollahi M. Efficacy and tolerability of Hypericum perforatum in major depressive disorder in comparison with selective serotonin reuptake inhibitors: a meta-analysis. Prog Neuropsychopharmacol Biol Psychiatry. 2009 Feb 1;33(1):118-27.

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