Granatapfel - Granatapfelsaft zur Blutdrucksenkung

 

Hat die regelmäßige Zufuhr von Granatapfelsaft eine blutdrucksenkende Wirkung?



Hintergrund

Der Granatapfelbaum, ursprünglich in Asien beheimatet, wächst heute hauptsächlich im Mittelmeerraum.
Dem Granatapfelsaft werden vielfältige medizinische Wirkungen zugeschrieben. Im Mittelpunkt dieses Beitrages stehen die blutdrucksenkenden Eigenschaften des Granatapfels. In den letzten 10 Jahren wurde deutlich Fortschritte im Verständnis der pharmakologischen Mechanismen der Bestandteile des Granatapfels gemacht.


Anwendung

Möglicherweise schützen Wirkstoffe des Granatapfels vor kardiovaskulären Erkrankungen. Untersuchungen legen nahe, dass sich Inhaltsstoffe des Granatapfels günstig auf die Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) auswirken. Wesentlich entscheidender für die Schutzwirkung von Granatapfelsaft bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen scheint aber die blutdrucksenkende Eigenschaft zu sein.

Ein Bluthochdruck ist definiert als ein systolischer Blutdruck größer als 140 mmHg oder ein diastolischer Blutdruck von größer 90 mmHg. Auch eine Blutdrucksenkung innerhalb des Normalbereichs durch diätetische Maßnahmen kann Folgeerkrankungen vermindern. (5).

Es liegen deutliche Hinweise vor, dass der Konsum von Granatapfelsaft zu einer Blutdrucksenkung führt und damit möglicherweise auch das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eines Schlaganfalls vermindert.


Wirkmechanismus und Inhaltsstoffe

Den Inhaltsstoffen des Granatapfels werden anti-oxidative und anti-entzündliche Wirkeigenschaften zugeschrieben. Etwa 50 % der Granatapfelfrucht finden Verwendung. Davon entfallen ca. 80 % auf den Saft und 20 % auf die Samen (4).

Zu den Antioxidantien im Granatapfel zählen neben Ascorbinsäure insbesondere Polyphenole. Der Gehalt an löslichen Polyphenolen variiert je nach Sorte zwischen 0,2 und 1 %. Zu den Bestandteilen des Granatapfelsaftes, denen therapeutische eine Bedeutung zugeschrieben werden, zählen u.a. Ellagsäure und Ellagitannine (Schutz vor Arteriosklerose). Die ausgeprägt anti-oxidativen Eigenschaften des Granatapfels werden auf den hohen Gehalt an Punicalagine zurückgeführt (4).



Studien zur Wirksamkeit

Erste orientierende Untersuchungen deuten auf eine signifikante Abnahme des systolischen Blutdrucks unter der täglichen Zufuhr von Granatapfelsaft hin (2, 3). In einer Untersuchung von 10 Personen zeigte sich beispielsweise nach 12 Monaten eine Abnahme des systolischen Blutdrucks um 12 % im Vergleich zu einer unbehandelten Kontrollgruppe (3). Bei Patienten mit einer Hypertonie konnte durch eine tägliche Zufuhr von 50 ml Granatapfelsaft nach 2 Wochen eine Reduktion des systolischen Blutdrucks um 5 % dokumentiert werden (2). Bestätigt wurden diese Befunde durch aktuelle Untersuchungen: In einer kleinen Studie mit 21 Bluthochdruck-Patienten konnte gezeigt werden, dass der tägliche Konsum von 150 ml Granatapfelsaft über 2 Wochen im Vergleich zur Kontrollgruppe zu einer signifikanten Reduktion sowohl des systolischen als auch des diastolischen Blutdrucks führt (1). In einer weiteren Untersuchung konnte durch die Aufnahme von Granatapfelsaft direkt vor einer fettreichen Mahlzeit, der sich normalerweise einstellende Anstieg des systolischen Blutdrucks vermindert werden (7). Dass es auch bei gesunden Personen, ohne Bluthochdruck, zu einer leichten Abnahme des Blutdrucks unter der täglichen Aufnahme von 330 ml Granatapfelsaft kommt, konnte in einer Placebo-kontrollierten Studie an 51 gesunden Erwachsenen nachgewiesen werden. Nach 4 Wochen konnte in der Granatapfel-Gruppe eine signifikante Abnahme des systolischen (-3,1 mmHg) und des diastolischen Blutdrucks (-2,3 mmHg) beobachtet werden (6).



Dosierung von Granatapfelsaft

Die bisher veröffentlichten Studien lassen darauf schließen, dass die regelmäßige tägliche Zufuhr von mindestens 150 ml Granatapfelsaft sich günstig auf den Blutdruck auswirkt.


Verträglichkeit

Möglicherweise kann es zu Wechselwirkungen bei der gleichzeitigen Anwendung von Granatapfelsaft und Medikamenten wie Carbamazepin (zur Behandlung von Epilepsien) oder Midazolam (Hypnotikum bzw. Sedativum) kommen. Es liegen Hinweise vor, dass Granatapfel die Metabolisierung von Medikamenten über das Cytochrom P450 3A (CYP3A) beeinflusst. Bei einer ersten Untersuchung am Menschen konnte hingegen keine relevante Wechselwirkung zwischen Midazolam, ein Medikament, was typischerweise über das CYP3A abgebaut wird und Granatapfelsaft beobachtet werden (8).


Fazit

Die Studienergebnisse weisen konsistent auf eine geringe Blutdrucksenkung durch die regelmäßige Zufuhr von Granatapfelsaft hin. Demnach wäre Granatapfelsaft geeignet, als Nahrungsergänzung möglichen Folgen erhöhter Blutdruckwerte vorzubeugen. Bisher liegen nur Untersuchungen an relativ kleinen Patientenkollektiven zur Blutdrucksenkung von Granatapfelsaft vor. Aus diesen Daten lassen sich noch keine allgemeingültigen Empfehlungen zur Anwendung von Granatapfelsaft ableiten. Granatapfelsaft kann eine notwendige medikamentöse Behandlung einer Hypertonie nicht ersetzen.



Weitere Informationen zu medizinischen Wirkungen von Granatapfel:


Granatapfel – Granatapfelsamenöl zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden


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Literatur

1. Asgary S, Sahebkar A, Afshani MR, Keshvari M, Haghjooyjavanmard S, Rafieian-Kopaei M. Clinical Evaluation of Blood Pressure Lowering, Endothelial Function Improving, Hypolipidemic and Anti-Inflammatory Effects of Pomegranate Juice in Hypertensive Subjects. Phytother Res. 2013 Mar 21.

2. Aviram M, Dornfeld L. Pomegranate juice consump-tion inhibits serum angiotensin converting enzyme activity and reduces systolic blood pressure. Atherosclerosis 2001;158:195–8.

3. Aviram M, Rosenblat M, Gaitini D, et al. Pome-granate juice consumption for 3 years by patients with carotid artery stenosis reduces common carotid intima-media thickness, blood pressure and LDL oxidation. Clin Nutr 2004;23:423–33.

4. Aviram M, Rosenblat M. Pomegranate for your cardiovascular health. Rambam Maimonides Med J. 2013 Apr 30;4(2):e0013.

5. Cook, NR, Cohen, J, Hebert, PR, Taylor, JO Hennekens, CH. Implications of small reductions in diastolic blood pressure for primary prevention. Arch Intern Med 1995;155:701–709.

6. Lynn A, Hamadeh H, Leung WC, Russell JM, Barker ME. Effects of pomegranate juice supplementation on pulse wave velocity and blood pressure in healthy young and middle-aged men and women. Plant Foods Hum Nutr 2012;67:309–14.

7. Mathew AS, Capel-Williams GM, Berry SE, Hall WL. Acute effects of pomegranate extract on postprandial lipaemia, vascular function and blood pressure. Plant Foods Hum Nutr 2012;67:351–7.

8. Misaka S, Nakamura R, Uchida S, Takeuchi K, Takahashi N, Inui N, Kosuge K, Yamada S, Watanabe H. Effect of 2 weeks' consumption of pomegranate juice on the pharmacokinetics of a single dose of midazolam: an open-label, randomized, single-center, 2-period crossover study in healthy Japanese volunteers. Clin Ther. 2011 Feb;33(2):246-52.

 

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