Wie wirksam ist Teufelskrallen-Extrakt bei Rücken- und Gelenkschmerzen?

 

Harpagophytum-procumbens-Extrakte bei rheumatischen Erkrankungen



Welche Fragen werden in diesem Beitrag beantwortet?

  • Bei welchen Erkrankungen werden Teufelskrallenwurzel-Extrakte angewendet?
  • Welche Dosierungen von Teufelskrallen-Extrakten werden empfohlen?
  • Wie wirkt Teufelskralle?
  • Ist die Wirksamkeit von Teufelskralle durch überzeugende Studiendaten belegt?
  • Welche Nebenwirkungen sind unter der Einnahme von Teufelskrallenwurzel-Extrakt möglich?


Hintergrund

Teufelskrallenextrakte werden zur symptomatischen Behandlung schmerzhafter Gelenkerkrankungen, insbesondere der Arthrose und zur Linderung von Rückenschmerzen empfohlen.

Die Afrikanische Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Pflanzenart aus der Familie der Sesamgewächse (Pedaliaceae). Harpagophytum procumbens wächst hauptsächlich in östlichen und südöstlichen Teilen von Nambia, im südlichen Teil von Botswana und in der Kalahari-Region in Südafrika.


Inhaltsstoffe

Teufelskrallen-Extrakte werden aus den Wurzeln der Arten Harpagophytum procumbens und Harpagophytum zeyheri gewonnen. Die Wurzeln enthalten ca. drei Prozent Iridoidglykoside und hier insbesondere Harpagosid sowie Flavonoide als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe.


Anwendungsgebiete

Teufelskrallen-Extrakte sind in Deutschland als nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel zugelassen (u.a.: Doloteffin® Flexi-loges®, Jucurba®, Teufelskralle-ratiopharm®). Anwendungsgebiet ist die unterstützende Therapie bei Verschleißerscheinungen des Bewegungsapparates.


Wirkmechanismus: Schmerzlinderung und Entzündungshemmung

Für Teufelskrallen-Extrakte werden in der Literatur zahlreiche entzündungshemmende Effekte beschrieben. Die Relevanz dieser In-vitro-Befunde für die klinische Praxis ist umstritten.

Zahlreiche tierexperimentelle Untersuchungen zeigen entzündungshemmende Effekte von Teufelskrallen-Extrakten. Im Vergleich zu klassischen NSAR (Indomethacin, 5 mg/kg) sind jedoch sehr hohe Dosen (50 - 1600 mg/kg) notwendig. Wird Teufelskrallen-Extrakt oral - z.B. in Tablettenform - verabreicht, ist diese entzündungshemmende Wirkung deutlich geringer bzw. kaum noch vorhanden. Neuere In-vitro-Untersuchungen konnten die Hemmung pro-inflammatorisch wirkender Zytokine (TNFα, IL-6, IL-1β) durch Teufelskrallen-Extrakt nachweisen (6).

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Kontrollierte Studien zur Wirksamkeit von Teufelskrallen-Extrakt

Es wird postuliert, dass Teufelskrallen-Extrakt unabhängig von der möglichen entzündungshemmenden Wirkung positive Effekte auf die Gelenkfunktion habe. Zahlreiche doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studien belegen im Vergleich u.a. mit Ibuprofen neben einer schmerzlindernden Wirkung weitere günstige Effekte. Auch bei der Rheumatoiden Arthritis und Osteoarthritis mit Beteiligung von Hüft- und Kniegelenk sowie bei Rücken- und Muskelschmerzen wurden positive Studienergebnisse berichtet, bei insgesamt guter Verträglichkeit von Teufelskrallen-Extrakten (10).

In einer Cochrane-Metaanalyse aus dem Jahre 2006 wurde geprüft, ob sich Rückenschmerzen wirksam mit Pflanzen-Extrakten, wie z.B. Teufelskralle, behandeln lassen.
Ergebnis: In zwei qualitativ hochwertigen Studien zur Wirksamkeit von Harpagophytum procumbens (Teufelskralle) fanden sich deutliche Hinweise, dass eine auf 50 mg oder 100 mg Harpagosid standardisierte Tagesdosis besser wirkt als Placebo hinsichtlich der Schmerz-Reduktion und dem Gebrauch weiterer Schmerzmedikamente. Eine weitere Studie zeigte eine relative Gleichwertigkeit von Teufelskrallen-Extrakt zu 12,5 mg Rofecoxib (Vioxx®) pro Tag in Bezug auf die Schmerzreduktion (1, 9).

Eine Zusammenschau weiterer Studiendaten zur Behandlung Arthrose-bedingter Gelenkschmerzen dokumentiert ebenfalls eine Schmerzabnahme unter der Behandlung mit Teufelskrallen-Extrakten (2, 8).


Dosierung

Für die Mehrzahl der zugelassenen Arzneimittel wird für Erwachsene eine Dosierung von 2x täglich einer Filmtablette mit einem Gehalt von jeweils 480 mg Teufelskrallenwurzel-Trockenextrakt pro Tablette empfohlen (3).


Verträglichkeit

In seltenen Fällen kann es unter der Einnahme von Teufelskrallen-Extrakt zu Magen-Darm-Beschwerden, wie Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kommen (3). Es liegen darüber hinaus Hinweise vor, dass Teufelskallen-Extrakt die Nierenfunktion negativ beeinflussen kann (7).

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Fazit

Kontrollierten Studien zufolge ist Teufelskralle wirksam bei der Verminderung von Rückenschmerzen. Darüber hinaus liegen Hinweise vor, dass Teufelskrallen-Extrakte Schmerzen bei rheumatischen Erkrankungen stärker reduzieren als die Gabe eines Scheinmedikamentes. Bei der Behandlung der Arthrose wird die Gelenkfunktion bei ausreichend hoher Dosierung von Teufelskrallen-Extrakte günstig beeinflusst

Der zugrunde liegende Wirkmechanismus bleibt jedoch unklar. Die methodische Qualität der vorhandenen klinischen Studien wurde überwiegend als unzureichend bewertet. Es bedarf daher weiterer methodisch überzeugender Studien, um endgültige Aussagen zur Wirksamkeit von Teufelskrallen-Extrakten treffen zu können.

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Literatur:


1. Gagnier JJ, van Tulder M, Berman B, Bombardier C..Herbal medicine for low back pain.
Cochrane Database Syst Rev. 2006 Apr 19;(2):CD004504.

2. Brien S, Lewith GT, McGregor G. Devil's Claw (Harpagophytum procumbens) as a treatment for osteoarthritis: a review of efficacy and safety.
J Altern Complement Med. 2006 Dec; 12(10):981-93.

3. Fachinformation flexi-loges 480 mg, Stand Januar 2013

4. Chrubasik S, Model A, Black A, Pollak S. A randomized double-blind pilot study comparing Doloteffin and Vioxx in the treatment of low back pain. Rheumatology (Oxford). 2003 Jan;42(1):141-8.

5. Chrubasik S, Thanner J, Künzel O, Conradt C, Black A, Pollak S.Comparison of outcome measures during treatment with the proprietary Harpagophytum extract doloteffin in patients with pain in the lower back, knee or hip. Phytomedicine. 2002 Apr;9(3):181-94.

6. Fiebich BL, Muñoz E, Rose T, Weiss G, McGregor GP. Molecular targets of the antiinflammatory Harpagophytum procumbens (devil's claw): inhibition of TNFα and COX-2 gene expression by preventing activation of AP-1. Phytother Res. 2012 Jun;26(6):806-11.

7. Allard T, Wenner T, Greten HJ, Efferth T. Mechanisms of herb-induced nephrotoxicity. Curr Med Chem. 2013 Jun 3;20(22):2812-9.

8. Warnock M, McBean D, Suter A, Tan J, Whittaker P. Effectiveness and safety of Devil's Claw tablets in patients with general rheumatic disorders. Phytother Res. 2007 Dec;21(12):1228-33.

9. Chrubasik S, Model A, Black A, Pollak S. A randomized double-blind pilot study comparing Doloteffin and Vioxx in the treatment of low back pain. Rheumatology (Oxford). 2003 Jan;42(1):141-8.

10. Chrubasik S, Thanner J, Künzel O, Conradt C, Black A, Pollak S. Comparison of outcome measures during treatment with the proprietary Harpagophytum extract doloteffin in patients with pain in the lower back, knee or hip. Phytomedicine. 2002 Apr;9(3):181-94.
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