E-Zigaretten zum Rauch-Stopp – Helfen elektrische Zigaretten, eine Abstinenz vom Rauchen zu erreichen?



Tabakentwöhnung – Unterstützen elektrische Zigaretten den Rauchverzicht?


Hintergrund

Elektrische Zigaretten (E-Zigaretten) sind elektronische Vorrichtungen, die eine Flüssigkeit erhitzen und in ein Aerosol überführen. Die Flüssigkeit (Liquid) enthält üblicherweise Propylenglycol (Lebensmittelzusatzstoff E 1520) und Glycerin (Lebensmittelzusatzstoff E 422), mit oder ohne Nikotin und Geschmacksstoffen.

Aus den derzeit bekannten Daten lässt sich ableiten, dass das Benutzen von elektrischen Zigaretten eine weniger schädliche Form der Nikotinsucht ist. Bei Rauchern, die von Tabakrauch auf elektrische Zigaretten wechseln, sind erheblich weniger Gesundheitsschäden zu befürchten. Das ist besonders auf die fehlenden Verbrennungsgase und das Fehlen von krebserregenden Stoffen, wie Formaldehyd, zurückzuführen.

Die nikotinfreie Flüssigkeit (Liquid) hat identische Inhaltsstoffe wie die in Clubs und Diskotheken seit Jahren unbeanstandet genutzten Inhaltsstoffe von Nebelmaschinen.

Bei der Nutzung einer nikotinhaltigen E-Zigarette anstelle von Tabakzigaretten besteht jedoch die Gefahr, dass die körperliche Abhängigkeit aufrecht erhalten bleibt. Außerdem werden die vom Rauchen gewohnten Rituale und Gewohnheiten oftmals beibehalten.

E-Zigaretten sind umstritten. Einige Experten empfehlen, den E-Zigaretten-Gebrauch einzuschränken oder zu verbieten, zum einen wegen der Gefahr einer möglichen langfristigen Zunahme des Tabakzigarettenkonsums (Verringerung der Motivation vollständig aufzuhören; als Einfallstor für Nichtraucher, mit dem Rauchen zu beginnen oder Erhöhung der gesellschaftlichen Akzeptanz des Rauchens), zum anderen wegen der Bedenken über mögliche langfristige Schäden, die sich aus der Inhalation von Propylenglycol ergeben. Auch die Qualität der Inhalationslösung bereitet Sorgen (Nachfüllpackungen können toxische Stoffe enthalten und bei Kindern ggf. Nikotinvergiftung verursachen). Auch mögliche Risiken einer passiven Inhalation durch Unbeteiligte („Passivrauchen“) in Innenräumen werden diskutiert.
Im Gegensatz dazu befürworten andere Experten die E-Zigaretten als das Herzstück einer Strategie zur Schadensminderung des Rauchens (weil attraktiver und billiger als viele andere Nikotinersatztherapien, Erleichterung der Raucherentwöhnung oder Abstinenz, Reduktion des täglichen Zigarettenkonsums). Weiter gäbe es bisher keine Hinweise für Risiken durch eine unerwünschte Aufnahme durch Nichtraucher. E-Zigaretten weisen zudem nur einen Bruchteil der Risiken von Tabakzigaretten auf (die getesteten Flüssigkeiten und Aerosole enthalten vernachlässigbare Konzentrationen von Toxinen und krebserzeugenden Substanzen, und die Verwendung von Nikotin ohne die Tabak-Noxen stellt ein deutlich geringeres Risiko für die Mehrheit der Bevölkerung da).

Es besteht allgemeiner Konsens, dass die gegenwärtige Evidenz zur E-Zigarette unzureichend ist und dass Langzeit-Daten aus kontrollierten Studien zur Sicherheit und Wirksamkeit zwingend benötigt werden.



Studien zur Wirkung der elektrischen Zigarette

Um die Sicherheit und Wirksamkeit von E-Zigaretten als Instrument der Raucherentwöhnung zu bewerten, wurden in einer großen Studie das „Rauchverhalten“ von Nutzern von ausschließlich E-Zigaretten (n=236) verglichen mit ausschließlichen Rauchern von Tabak-Zigaretten (n=491), und als dritte Gruppe, mit Rauchern, die sowohl Tabak-Zigaretten als auch E-Zigaretten verwendeten (n=232).

Ergebnisse

Nach einem Jahr stellte sich die Abstinenzrate folgendermaßen da:
Nach 12 Monaten waren noch 61,9 % der E-Zigarettenraucher vom Tabakrauchen abstinent; 20,6 % der reinen Tabak-Raucher und 22,0 % der dualen Raucher erreichten eine Tabakabstinenz . Auch nach Korrektur potenzieller Störfaktoren war die Tabakrauchabstinenz bzw. der Rauchverzicht unter E-Rauchern deutlich häufiger (adjustierte OR 5,19). Hingegen führte das duale Rauchen (Hinzufügen von E-Zigaretten zum Tabak-Rauchen) nicht zu einer erhöhten Abstinenzrate und konnte auch nicht den Tabak-Zigarettenkonsum insgesamt reduzieren.
E-Raucher zeigten eine minimale, aber signifikante Zunahme der Selbsteinschätzung der Gesundheit im Vergleich zu anderen Rauchern.
Bemerkenswert ist die Rückfallquote nach einem Jahr bei der ausschließlichen Nutzung der E-Zigarette: Die 1-Jahres-Rezidivrate lag mit 38,1 % relativ niedrig im Vergleich mit den bekannten Rückfallquoten (60 % bis 90 %) bei Tabak-Zigarettenrauchern (Manzoli et al. 2015). Keine signifikanten Unterschiede wurden bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen gefunden.
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Eine Cochrane-Übersichtsarbeit hat im Jahre 2016 die oben beschriebenen Ergebnisse im Wesentlichen bestätigt. In dieser Untersuchung wurde geprüft, ob auf Basis bisher veröffentlichter Studiendaten die Verwendung von elektrischen Zigaretten Menschen helfen kann, langfristig eine Rauch-Abstinenz zu erreichen.
Demnach gibt es Hinweise aus zwei placebo-kontrollierten Studien, dass die E-Zigarette Rauchern die Beendigung des Rauchens auf lange Sicht im Vergleich zur Placebo-E-Zigarette erleichtert.
Die Teilnehmer, die E-Zigaretten verwendeten, hatten eine größere Wahrscheinlichkeit nach 6 Monaten weiterhin abstinent zu sein als Teilnehmer, die eine Placebo-E-Zigarette nutzten (Hartmann-Boyce et al. 2016).

In einer weiteren Studie wurde die Wirkung der E-Zigarette auf die Abstinenzrate mit einem Nikotinpflaster verglichen. Dabei zeigte sich nach 6 Monaten kein signifikanter Unterschied zwischen beiden Anwendungen.

Verträglichkeit/Sicherheit

Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen der E-Zigarette in Studien waren Reizungen im Mund und Rachen. Die langfristige Sicherheit von E-Zigaretten ist bisher nicht bekannt.

Die Ergebnisse einer weiteren Studie belegen, dass die Nikotinaufnahme aus E-Zigaretten, die 1,6 % bzw. 2,4 % Nikotin enthalten (in Deutschland ist ein max. Gehalt von 2 % erlaubt), zu einem relevanten Anstieg der Nikotinspiegel im Blut führen, die aber etwas niedriger ausfallen als die von Tabak-Zigaretten. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass durch die E-Zigarette der Drang zu rauchen oder Entzugs-Symptome im Großen und Ganzen vergleichbar vermindert wurde wie durch eine konventionelle Tabakzigarette (D'Ruiz et al. 2015). 

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Quellennachweis / Literatur

Hartmann-Boyce J, McRobbie H, Bullen C, Begh R, Stead LF, Hajek P. Electronic cigarettes for smoking cessation. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Sep 14;9:CD010216. [Epub ahead of print]

Manzoli L, Flacco ME, Fiore M, et al. Electronic Cigarettes Efficacy and Safety at 12 Months: Cohort Study. PLoS One. 2015 Jun 10;10(6):e0129443. eCollection 2015.

D'Ruiz CD, Graff DW, Yan XS. Nicotine delivery, tolerability and reduction of smoking urge in smokers following short-term use of one brand of electronic cigarettes. BMC Public Health. 2015 Sep 30;15:991.


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