Melisse bei Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen – wirksam oder unwirksam?

 

Untersuchungen zur Wirkung der Zitronenmelisse beim Menschen



In diesem Beitrag werden folgende Fragen beantwortet:

  • Welchen Einfluss hat Melisse auf die Folgeerscheinungen von Stress?
  • Vermindern Zitronenmelisse-Extrakte die durch Stress verursachte Ängstlichkeit und Unruhe?
  • Wirken Extrakte der Zitronenmelisse beruhigend?
  • Ist Melisse bei Herpes labialis wirksam?


Hintergrund

Die Zitronenmelisse wird als Gewürz-, und als Arzneipflanze angebaut. Besonders die Blätter werden als Küchengewürz verwendet. Medizinisch wird Melissa officinalis (Zitronenmelisse) als mildes Beruhigungsmittel, bei Einschlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden und lokal bei Herpes labialis eingesetzt.


Zitronenmelisse (Melissa officinalis)

Die Zitronenmelisse oder Melisse (Melissa officinalis) ist eine aus dem östlichen Mittelmeergebiet stammende Pflanzenart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Im deutschen Namen spiegelt sich wider, dass die Pflanze und mehr oder weniger stark nach Zitronen duftet.


Inhaltsstoffe

Melissenblätter enthalten 4 bis 7 % Hydroxyzimtsäure-Derivate, insbesondere Rosmarinsäure, zudem Chlorogensäure, Kaffeesäure und ätherisches Öl (Citral, Citronellal und β-Caryophyllen). Weitere Bestandteile sind Linalool, Geraniol, Caryophyllenepoxid , Germacren D, Methylcitronellal, Geranylacetat, α-Copaen und Nerol. Die Herkunft, die Klimabedingungen und der Erntezeitpunkt beeinflussen die Zusammensetzung des ätherischen Öls.


Anwendungsgebiet

Zur Herstellung von Arzneimitteln werden die Blätter (Melissae folium) verwendet. Als Anwendungsgebiete sind in der Monographie nervös bedingte Einschlafstörungen, funktionelle Magen‐Darm‐Beschwerden und Linderung der Beschwerden bei Herpes simplex‐Infektionen aufgeführt. Wie andere pflanzliche Schlafmittel erleichtert Melisse das Abschalten und unterstützt das Einschlafen. In der Phytotherapie wird die Melisse bei Einschlafstörungen meist mit Hopfen und Baldrian kombiniert.

Volksmedizinisch schreibt man der Melisse auch eine beruhigende, krampflösende, verdauungsfördernde und entblähende Wirkung zu.


Wirkmechanismus

Aufgrund des Gehaltes an Rosmarinsäure haben Melissenblätter eine antimikrobielle und antivirale Wirkung.

In-vitro-Untersuchung beschreiben relevante Wirkungen von Melissen-Extrakt im zentralen Nervensystem. Die Wirkungen beziehen sich auf antioxidative Eigenschaften (13) und auf direkte Muskarin- und Nikotinrezeptor-bindende Eigenschaften im Gehirn. Darüber hinaus wurde eine Hemmung der Acetylcholinesterase (AChE) beschrieben (6, 14, 17). Diese Eigenschaften sind nicht auf einen einzelnen Wirkstoff zurückzuführen, sondern leiten sich wahrscheinlich aus Synergien zwischen den einzelnen Wirkstoffen ab.

Tierexperimentelle Untersuchungen belegen eine angstlösende Eigenschaft des Extrakts (7). In Laborversuchen konnte Melisse die Acetylcholin-Aktivität, die bei Alzheimer-Erkrankten deutlich vermindert ist, erhöhen.

Für das ätherische Öl der Melisse sowie deren alkoholischen Extrakt konnte in Labor-Untersuchungen eine Wirkung gegen Herpes-simplex-Viren vom Typ 1 und 2 nachgewiesen werden (16). Melissen-Extrakte können zellfreie Herpes-Viren inaktivieren und somit deren Infektiosität sehr stark reduzieren. Zellfreie Herpes-simplex-Viren werden bei betroffenen Patienten insbesondere während der so genannten Bläschenphase beobachtet. Das Sekret der Bläschen ist hoch infektiös und stellt eine wichtige Infektionsquelle dar. Alkoholische Melisse-Extrakte zeigten in Untersuchungen einen dualen Wirkmechanismus, indem sie zum einen die zellfreien Viren inaktivierten und zum anderen bei Vorbehandlung der Wirtszellen die Infektion dieser Zellen mit dem Herpes-simplex-Virus um über 80 % reduzierten (16).

Die Wirkung des Melissen-Extraktes bei der lokalen Herpes-simplex-Infektion beruht auf der Hemmung der interzellulären Ausbreitung der Herpeserreger bereits in der ersten Phase der Infektion: In-vitro-Experimente haben gezeigt, dass die Inhaltsstoffe der Melisse durch Anlagerung an die Zelloberfläche die Rezeptoren blockieren und somit das Anheften und Eindringen der Viren in die Zellen verhindern.

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Studien zur Wirksamkeit

 

Einfluss von Melisse auf die Stressreaktion

In einer Placebo-kontrollierten, doppelblinden Crossover-Studie wurde an 18 gesunden Probanden geprüft, ob Zitronenmelisse in der Dosierung von 300 oder 600 mg die unerwünschten Rektionen einer Stresssituation günstig beeinflusst (9). Bei den Ergebnissen ist hervorzuheben, dass der negative Effekt von Stress auf die Stimmung durch die 600 mg Dosierung von Zitronenmelisse vermindert wurde. Die Probanden bezeichneten sich insgesamt als ruhiger und weniger stark in Alarmzustand versetzt als unter der Placebo-Medikation. Objektiv bestätigt wurde diese Einschätzung durch eine höhere Rechengeschwindigkeit der Versuchsteilnehmer bei unverändertem Fehleranteil (9).

Vorausgehende Untersuchungen hatten bereits Anhaltspunkte geliefert, nach denen Zitronenmelisse die Arbeitsgenauigkeit und die Aufmerksamkeit bei gesunden Probanden verbessert (10). Hingegen zeigte sich eine Tendenz zur Abnahme des Erinnerungsvermögens (Arbeitsgedächtnis). Bereits unter der Einnahme der niedrigen Dosis (300 mg) berichteten die Probanden über das Gefühl „ruhiger zu sein“, während eine erhöhte „Wachheit“ von den Personen nur unter der hohen Dosierung (900 mg) wahrgenommen wurde (10).


Beeinflussung von Ängstlichkeit – Zitronenmelisse in Kombination mit Baldrian

Ziel einer weiteren Placebo-kontrollierten Untersuchung war es zu prüfen, ob die kombinierte Anwendung von Zitronenmelisse mit Baldrian sich vorteilhaft auf die mit Stresssituationen einhergehende Ängstlichkeit auswirkt (8). Dazu erhielten 24 gesunde Freiwillige an verschiedenen Tagen drei Dosierungen dieser Kombination (600 mg, 1200 mg, 1800 mg). Bemerkenswert bei den Ergebnissen war die Beobachtung, dass sich bereits unter der niedrigen Dosierung von 600 mg der Kombination eine Abnahme der Angst zeigte, während unter der höchsten Dosierung (1800 mg) eine gering ausgeprägte Zunahme von Ängstlichkeit beobachtet wurde. Die Ergebnisse dieser Untersuchung stützen die Einschätzung, nach der Zitronenmelisse in Kombination mit Baldrian die mit Stresssituationen verbundene Ängstlichkeit vermindert, wobei zu hohe Dosierungen gegenteilige Effekte haben können (8).


Anwendungsgebiet

Zur Behandlung der negativen Auswirkungen von Stress sind Melissen-Präparate nicht zugelassen. Als Arzneimittel zur Behandlung von Unruhezuständen und nervös bedingten Einschlafstörungen sind hingegen verschiedene pflanzliche Kombinationspräparate mit dem Wirkstoff Zitronenmelissen-Extrakt zugelassen (u.a. Sedacur® forte, Euvegal®, Pascosedon®, Sandrin®, SE Baldrian/Melisse forte).


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Dosierung

Bei den Dosierungen ist der sehr unterschiedliche Wirkstoffgehalt der einzelnen Arzneimittel zu beachten.

Euvegal® und SE Baldrian/Melisse forte enthalten z.B. 320 mg Trockenextrakt aus Baldrianwurzeln und 160 mg Trockenextrakt aus Melissenblättern je Filmtablette.
Bei Unruhezuständen wird Erwachsenen die Einnahme von 2-mal täglich einer Filmtablette empfohlen.


Wirkung von Melisse bei Morbus Alzheimer

Psychotische Symptome oder Agitiertheit sind bei Patienten mit Morbus Alzheimer in einer bestimmten Phase der Erkrankung eine häufige Erscheinung. Sie stellen eine emotionale Belastung für die Patienten und Angehörige dar. In einer Placebo-kontrollierten Studie wurde die Wirksamkeit einer Zitronenmelisse-Aromatherapie mit der Standardbehandlung Donepezil und Placebo bei 114 Patienten mit Morbus Alzheimer verglichen (4). Nach 12 Wochen Behandlung zeigte sich eine substanzielle Besserung der Agitiertheit in allen drei Behandlungsgruppen. Es wurde allerdings kein signifikanter Unterschied zwischen der Aromatherapie mit Zitronenmelisse und der Placebo-Gabe beobachtet. Den Daten zufolge war weder Donepezil noch Zitronenmelisse der Placebo-Gabe überlegen (4).

Weitere doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studien haben die Auswirkungen von Melissen-Extrakt bei Patienten mit Demenz untersucht. In der Untersuchung von Ballard und Mitarbeitern konnten eine Abnahme von Agitiertheit und eine Verbesserung der Lebensqualität unter einer Zitronenmelisse-Aromatherapie bei 71 Patienten mit schwerer Demenz nachgewiesen werden. Während unter der Placebo-Behandlung nur 14 Prozent der Patienten eine klinisch relevante Verminderung der Agitiertheit aufwiesen, erreichten unter der Melisse-Aromatherapie 60 Prozent eine mindestens 30-prozentige Abnahme (CMAI-Score). Auffällige Nebenwirkungen wurden in dieser Studie nicht beobachtet (3).

In einer randomisierten, Placebo-kontrollierten Studie erhielten 21 Alzheimer-Patienten über 16 Wochen eine alkoholische Tinktur aus Zitronenmelisse (1). Am Ende der Behandlungsphase zeigte der Melisse-Extrakt ein deutlich besseres Ergebnis bei den kognitiven Funktionen als Placebo. Im Einzelnen konnten eine Abnahme von Agitiertheit und eine verbesserte kognitive Leistung (Alzheimer Disease Assessment Scale, kognitive Subskala) und des Verhaltens (Clinical Dementia Rating) bei Patienten mit leichter bis mittelschwerer Demenzerkrankung dokumentiert werden (1).

Für die Behandlung von Morbus Alzheimer sind keine Zitronenmelisse-Präparate als Arzneimittel zugelassen.

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Wirkung von Zitronenmelisse auf Infektionen mit Herpes-simplex-Viren (Herpes labialis)

In einer randomisierten Doppelblind-Studie wurde die Wirksamkeit einer Zitronenmelisse-Creme bei 116 Patienten mit einer akuten Herpes-simplex-Infektion im Lippenbereich (Herpes labialis) untersucht (18). Die Behandlung wurde innerhalb von 72 Stunden nach Einsetzen der Symptome begonnen und 2- bis 4-mal täglich für 5 - 10 Tage verabreicht. Ergebnis: Bei der Einschätzung des Behandlungserfolges durch den Patienten war die Zitronenmelisse der Placebo-Behandlung signifikant überlegen. Die Heilung wurde als "sehr gut" von 41 Prozent der Patienten in der Zitronenmelisse-Gruppe im Vergleich zu 19 Prozent in der Placebo-Gruppe (p = 0,022) beurteilt (18).

Eine weitere Placebo-kontrollierte Doppelblind-Studie hat die lokale Wirkung einer Zitronenmelisse-Creme (1 % Trockenextrakt aus Melissenblättern) zur Therapie von Herpes simplex labialis untersucht (11). 66 Patienten mit einer Vorgeschichte von rezidivierendem Herpes labialis (mindestens vier Episoden pro Jahr) erhielten entweder die Melissen-Creme oder Placebo über fünf Tage. Die Creme wurde viermal täglich auf den betroffenen Bereich aufgetragen. Bewertet wurde anhand eines Symptomscores, der die Stärke der Beschwerden, die Größe des betroffenen Areals und die Ausprägung von Bläschen erfasste. Ergebnis: Am zweiten Tag zeigte sich ein signifikanter Unterschied beim primären Zielparameter zwischen der Melisse- und der Placebo-Gruppe (Verum 4,03 + / - 0,33 (3,0); Placebo 4,94 + / - 0,40 (5,0)). Die untersuchte Zitronenmelisse-Formulierung erwies sich bei der Behandlung von Herpes simplex labialis als wirksam (11). Neben der Verkürzung der Heilungsphase und der Verhinderung einer Ausbreitung der Infektion wurde auch eine rasche Wirkung auf typische Symptome von Herpes labialis wie Jucken, Schwellungen, Spannungsgefühl und Rötung beobachtet.


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Diskussion

In zahlreichen In-vitro-Untersuchungen konnte eine Wirkung von Zitronenmelisse als Extrakt oder ätherisches Öl auf Herpes-simplex-Viren nachgewiesen werden (2, 12). Die bisher veröffentlichten klinischen Untersuchungen zur Zitronenmelisse können als Hinweis auf eine mögliche Wirksamkeit angesehen werden. Es bleibt unklar, ob die beobachteten Unterschiede im Vergleich zu Placebo klinisch relevant sind. Es liegen bisher keine direkten Vergleichsuntersuchungen zu Standardtherapien mit nachgewiesener Wirksamkeit, wie z.B. Aciclovir, vor.

Anwendungsgebiet, Dosierung und Nebenwirkungen
Zur Behandlung von Herpes labialis mit Zitronenmelisse ist nur das Präparat Lomaherpan® Creme als Arzneimittel zugelassen.

Anwendung: Linderung der Beschwerden bei Herpes simplex.
Dosierung: 2- bis 4-mal tägliche die Creme auf die betroffenen Hautstellen auftragen.
Mögliche Nebenwirkungen: Urtikaria (Nesselsucht), Exantheme (akut auftretender Hautausschlag) und Hautrötungen.


Strahlenschutz – Verminderung von oxidativem Stress

Medizinisches Fachpersonal in der Radiologie ist dauerhaft einer geringen Röntgenstrahlung ausgesetzt. In einer Untersuchung mit 55 radiologisch tätigen Mitarbeitern wurde geprüft, ob die Zufuhr von Zitronenmelisse in Form von Tee (1,5 g/100 ml) über 30 Tage den antioxidativen Status verbessert und so vor den möglichen Strahlenfolgen schützen kann. Im Ergebnis zeigte sich, dass die Aufnahme von Zitronenmelisse den oxidativen Stress und DNA-Schäden bei Radiologie-Mitarbeitern deutlich verminderte (19).


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Verträglichkeit

Zitronenmelisse-Extrakte haben sich in Studien als überwiegend gut verträglich erwiesen. Selten wurde über Magen-Darm-Beschwerden oder allergische Hauterscheinungen berichtet (5). In einer systematischen Untersuchung zur Verträglichkeit von pflanzlichen Wirkstoffen wurden bei der Anwendung von Melisse-Extrakten nur gering ausgeprägte unerwünschte Nebenwirkungen dokumentiert (15).


Fazit

Zitronenmelisse hat sich in Studien als wirksame Therapieoption zur Minderung stressbedingter Ängstlichkeit und Unruhe erwiesen. Bei Patienten mit Morbus Alzheimer sprechen insbesondere psychotische Symptome wie Agitiertheit auf eine Behandlung mit Melisse-Extrakt an. Darüber hinaus liegen Hinweise für eine Wirkung von Zitronenmelisse zur Linderung von Beschwerden bei Herpes-simplex labialis vor.



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Literatur


1. Akhondzadeh S, Noroozian M, Mohammadi M, Ohadinia S, Jamshidi AH, Khani M. Melissa officinalis extract in the treatment of patients with mild to moderate Alzheimer's disease: a double blind, randomised, placebo controlled trial. J Neurol Neurosurg Psychiatry. 2003 Jul;74(7):863-6.

2. Astani A, Reichling J, Schnitzler P.Melissa officinalis extract inhibits attachment of herpes simplex virus in vitro. Chemotherapy. 2012;58(1):70-7.

3. Ballard CG, O'Brien JT, Reichelt K, Perry EK. Aromatherapy as a safe and effective treatment for the management of agitation in severe dementia: the results of a double-blind, placebo-controlled trial with Melissa. J Clin Psychiatry. 2002 Jul;63(7):553-8.

4. Burns A, Perry E, Holmes C, Francis P, Morris J, Howes MJ, Chazot P, Lees G, Ballard C. A double-blind placebo-controlled randomized trial of Melissa officinalis oil and donepezil for the treatment of agitation in Alzheimer's disease. Dement Geriatr Cogn Disord. 2011;31(2):158-64.

5. Fachinformation zum Arzneimittel Sedacur® forte Beruhigungsdragees, Stand der Information: Juli 2011.

6. Ferreira A, Proença C, Serralheiro MLM, Araújo MEM. The in vitro screening for acetylcholinesterase inhibition and antioxidant activity of medicinal plants from Portugal. Journal of Ethnopharmacology. 2006;108:31–7.

7. Ibarra A, Feuillere N, Roller M, Lesburgere E, Beracochea D. Effects of chronic administration of Melissa officinalis L. extract on anxiety-like reactivity and on circadian and exploratory activities in mice. Phytomedicine. 2010;17:397–403.

8. Kennedy DO, Little W, Haskell CF, Scholey AB. Anxiolytic effects of a combination of Melissa officinalis and Valeriana officinalis during laboratory induced stress. Phytother Res. 2006 Feb;20(2):96-102.

9. Kennedy DO, Little W, Scholey AB. Attenuation of laboratory-induced stress in humans after acute administration of Melissa officinalis (Lemon Balm). Psychosom Med. 2004 Jul-Aug;66(4):607-13.

10. Kennedy DO, Scholey AB, Tildesley NT, Perry EK, Wesnes KA. Modulation of mood and cognitive performance following acute administration of Melissa officinalis (lemon balm). Pharmacol Biochem Behav. 2002 Jul;72(4):953-64.

11. Koytchev R, Alken RG, Dundarov S. Balm mint extract (Lo-701) for topical treatment of recurring herpes labialis. Phytomedicine. 1999 Oct;6(4):225-30.

12. Mazzanti G, Battinelli L, Pompeo C, Serrilli AM, Rossi R, Sauzullo I, Mengoni F, Vullo V. Inhibitory activity of Melissa officinalis L. extract on Herpes simplex virus type 2 replication. Nat Prod Res. 2008;22(16):1433-40.

13. Pereira RP, Fachinetto R, de Souza Prestes A, Puntel R, Santos da Silva G, Heinzmann B, Boschetti T, Athayde M, Bürger M, et al. Antioxidant effects of different extracts from Melissa officinalis, Matricaria recutita and Cymbopogon citratus. Neurochem Res. 2009;34:973–83.

14. Perry N, Court G, Bidet N, Court J, Perry E. European herbs with cholinergic activities: potential in dementia therapy. Int J Geriatr Psychiatry.1996;11:1063–9.

15. Posadzki P, Watson LK, Ernst E. Adverse effects of herbal medicines: an overview of systematic reviews. Clin Med. 2013 Feb;13(1):7-12.

16. Reichling J, Schnitzler P. Antivirale Phyto-Wirkstoffe zur topischen Behandlung von banalen, rezidivierenden Lippenherpes-Episoden. Z Phytother 2011; 32(6): 260-265.

17. Wake G, Court J, Pickering A, Lewis R, Wilkins R, Perry E. CNS acetylcholine receptor activity in European medicinal plants traditionally used to improve failing memory. J Ethnopharmacol. 2000;69:105–14.

18. Wolbling RH, Leonhardt K. Local therapy of Herpes simplexwith dried extract from Melissa officinalis. Phytomedicine 1994;1:25-31

19. Zeraatpishe A, Oryan S, Bagheri MH, Pilevarian AA, Malekirad AA, Baeeri M, Abdollahi M. Effects of Melissa officinalis L. on oxidative status and DNA damage in subjects exposed to long-term low-dose ionizing radiation. Toxicol Ind Health. 2011 Apr;27(3):205-12.

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Ist Rhapontikrhabarberwurzel bei Wechseljahresbeschwerden wirksam?

  • Ist Rhapontikrhabarberwurzel bei Wechseljahresbeschwerden wirksam?

  • Lindern Extrakte der sibirischen Rhabarberwurzel klimakterische Beschwerden wie Hitzewallungen und Schweißausbrüche?

 

Extrakte aus Rhapontikrhabarberwurzel (Rheum rhaponticum) zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden wie Schlafstörungen und Niedergeschlagenheit



Hintergrund

Die Diskussion um mögliche Risiken der Hormonersatztherapie hat dazu beigetragen, dass Frauen sich zunehmend pflanzlichen Alternativen zur Behandlung von Wechseljahresbeschwerden zuwenden. Neben Extrakten aus der Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa) und Rotklee (Trifolium pratense) werden auch Extrakte der sibirischen Rhabarberwurzel (Rheum rhaponticum) mit Erfolg zur Behandlung klimakterischer Beschwerden eingesetzt.


Rhapontikrhabarberwurzel (Rheum rhaponticum)

Rhapontik-Rhabarber (Sibirischer Rhabarber) ist eine in Norwegen und Sibirien beheimatete Pflanzenart der Gattung Rhabarber, die zur Familie der Knöterichgewächse gehört.


Wechseljahresbeschwerden

Die Wechseljahre können bei Frauen bereits ab dem 40. Lebensjahr zu gesundheitlichen Beschwerden führen, unter anderem zu Hitzewallungen, nächtlichen Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Reizbarkeit. Auch wird über eine Zunahme von Kopfschmerzen und depressiver Verstimmung in den Wechseljahren berichtet. Schweißausbrüche und Hitzewallungen zählen zur Gruppe der vasomotorischen Beschwerden. Darunter versteht man Symptome, die mit einer Verengung oder Erweiterung der Blutgefäße zusammenhängen. Hitzewallungen sind anfallsweise auf- oder absteigende Wärmewellen (hot Flush), die vom Hals, Kopf oder von der Brust ausgehen. Gleichzeitig kann ein wellenförmiges Erröten (Flush) auftreten. Etwa ein bis zwei Drittel der Frauen haben während der Wechseljahre Hitzewallungen und Schweißausbrüche. Bei der Mehrzahl der Frauen sind die Symptome nur gering ausgeprägt. Bei einigen Frauen können die Beschwerden jedoch so ausgeprägt sein, dass sie die Lebensqualität wesentlich beeinträchtigen.

Standard-Therapie von Wechseljahresbeschwerden ist die Hormonersatztherapie. Zu den alternativen Therapiemöglichkeiten klimakterischer Beschwerden gehört der pflanzliche Wirkstoff Rhapontikrhabarberwurzel-Trockenextrakt, der als nicht-rezeptpflichtiges Arzneimittel angeboten wird.

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Anwendungsgebiet von Rhapontikrhabarber

Zur Besserung der durch die Wechseljahre bedingten psychischen und neurovegetativen Beschwerden wie Hitzewallungen/Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Ängstlichkeit und depressiver Verstimmungen.


Wirkmechanismus

Die Wurzel des Rhapontikrhabarbers enthält Phytoöstrogene, die beim Menschen eine östrogenartige Wirkung ausüben. Als wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe gelten Rhaponticin, Rhapontigenin, Desoxyrhaponticin, und Desoxyrhapotigenin. Die Wirkstoffe binden im menschlichen Körper an Östrogenrezeptoren. Durch die Aktivierung dieser Rezeptoren werden Wechseljahresbeschwerden gebessert. Studien zufolge unterscheidet sich Rhapontikrhabarber von den synthetischen Hormonen einer Hormonersatztherapie dadurch, dass die Wirkstoffe nur am Beta-Östrogenrezeptor wirken und den Alpha-Östrogenrezeptor nicht aktivieren (1). Ein Teil der bekannten Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie wird auf die Aktivierung dieser Alpha-Rezeptoren zurückgeführt.


Studien zur Wirksamkeit

In einer Placebo-kontrollierten Doppelblindstudie wurde die Wirksamkeit von Rhapontikrhabarberwurzel bei 109 Patientinnen mit Wechseljahrsbeschwerden untersucht (3). Über einen Zeitraum von 12 Wochen erhielten die perimenopausalen Frauen entweder täglich 1 Tablette mit 4 mg Rhapontikrhabarberwurzel-Trockenextrakt oder Placebo.
Gemessen wurde die Wirksamkeit anhand einer Selbstbeurteilungs-Skala (MRS II = Menopause Rating Scale II). Mit diesem Fragebogen werden die häufigsten Symptome wie Hitzewallungen/Schwitzen, Herzbeschwerden, Schlafstörungen, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Ängstlichkeit, körperliche und geistige Erschöpfung, Sexualprobleme, Trockenheit der Scheide, Harnwegsinfekte und Gelenkschmerzen erfasst.
Ergebnisse: Nach 12 Wochen hatte sich der MRS-Symptom-Score unter der Einnahme von Rhapontikrhabarberwurzel im Vergleich zur Placebo-Anwendung signifikant gebessert. Besonders die Anzahl und Schwere der Hitzewallungen hatte sich vermindert. Auch bei der Lebensqualität zeigte sich eine signifikante Zunahme unter der Behandlung mit sibirischem Rhabarber im Vergleich zu Placebo. Bei der gynäkologischen Untersuchung zeigten sich am Ende der Untersuchung keine Unterschiede zwischen den Gruppen. Nebenwirkungen mit Bezug zur Einnahme von Rhapontikrhabarberwurzel wurden nicht beobachtet (3).

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Drei Jahre später wurde zu dem gleichen Extrakt (ERr 731) eine weitere Studie mit ähnlichem Studiendesign veröffentlicht. Bei den insgesamt 56 mit Rhapontikrhabarberwurzel behandelten Patientinnen konnte nach einer Therapiedauer von 12 Wochen eine signifikante Abnahme im MRS-Beschwerde-Score im Vergleich zur Placebo-Gruppe dokumentiert werden (6). Dass sich neben den vasomotorischen Beschwerden auch die psychischen Wechseljahrsbeschwerden, wie depressive Verstimmungen, Ängstlichkeit und Schlafstörungen durch die Gabe von Rhapontikrhabarberwurzel positiv beeinflussen lassen, darauf deutet eine weitere Untersuchung hin, in der insbesondere eine signifikante Abnahme von Ängstlichkeit und eine Zunahme des allgemeinen Wohlbefindens beschrieben wurden (4).


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In einer weiteren Untersuchung wurde geprüft, ob Rhapontikrhabarberwurzel auch in der Langzeit-Anwendung wirksam und verträglich ist. Dazu erhielten 39 Frauen den Extrakt aus Rhapontikrhabarberwurzel und 41 Frauen ein Placebo über einen Zeitraum von 48 Wochen. Die Ergebnisse bestätigten zum einen, dass die Besserung der Wechseljahrsbeschwerden auch über mehrere Monate erhalten bleibt und zum anderen, dass eine Fortsetzung der Behandlung im Einzelfall noch zu einer weiteren Abnahme der Hitzewallungen beitragen kann (5).


Dosierung und Wirkeintritt

Die pflanzlichen Arzneimittel Femi-loges® und Phyto-Strol® enthalten pro Tablette 4 mg Trockenextrakt aus Rhapontikrhabarberwurzel. Als Dosierung wird die Einnahme von 1-mal täglich einer Tablette zusammen mit einer ausreichenden Menge Wasser empfohlen (2). Eine erste Besserung der Beschwerden kann nach ca. 3 bis 4 Wochen erwartet werden. Eine deutliche Minderung der Beschwerden wurde in Studien nach ca. 12 Wochen Behandlung beobachtet (3, 4, 6).


Verträglichkeit

In Studien wird über eine gute Verträglichkeit von Rhapontikrhabarberwurzel berichtet (3, 6). Insbesondere wurde auch bei Langzeit-Anwendung nicht über Spannungsgefühle in der Brust oder über Zwischenblutungen berichtet (5). Auch eine Gewichtszunahme wurde nicht beobachtet. Bei der Anwendung von Rhapontikrhabarberwurzel-Trockenextrakt kann es zum Auftreten von Überempfindlichkeitsreaktionen, wie z.B. Hautrötung, Hautausschlag, Hautschwellungen und Juckreiz kommen (2). Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln wurden bisher nicht berichtet.


Fazit

Rhapontikrhabarberwurzel-Trockenextrakt hat sich in Studien als wirksame Therapieoption zur Besserung der durch die Wechseljahre bedingten Beschwerden wie Hitzewallungen, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit und Ängstlichkeit erwiesen. In den wenigen kontrollierten klinischen Studien wird die Verträglichkeit auch in der Langzeit-Anwendung als gut bezeichnet.



Zum gleichen Thema:

Granatapfel – Granatapfelsamenöl zur Linderung von Wechseljahresbeschwerden


http://wirksam-oder-unwirksam.blogspot.de/

Literatur


1. Wober J, Möller F, Richter T, Unger C, et al. Activation of estrogen receptor-β by a special extract of Rheum rhaponticum (ERr 731®), its aglycones and structurally related compounds. In: The Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology. 107;(3–5), 2007,191–201.

2. Fachinformation zum Arzneimittel Phyto-Strol® compact, Stand Mai 2012

3. Heger M, Ventskovskiy BM, Borzenko I, Kneis KC, Rettenberger R, Kaszkin-Bettag M, Heger PW. Efficacy and safety of a special extract of Rheum rhaponticum (ERr 731) in perimenopausal women with climacteric complaints: a 12-week randomized, double-blind, placebo-controlled trial. Menopause. 2006 Sep-Oct;13(5):744-59. Erratum in: Menopause. 2007 Mar-Apr;14(2):339.

4. Kaszkin-Bettag M, Ventskovskiy BM, Kravchenko A, Rettenberger R, Richardson A, Heger PW, Heger M. The special extract ERr 731 of the roots of Rheum rhaponticum decreases anxiety and improves health state and general well-being in perimenopausal women. Menopause. 2007 Mar-Apr;14(2):270-83.

5. Hasper I, Ventskovskiy BM, Rettenberger R, Heger PW, Riley DS, Kaszkin-Bettag M. Long-term efficacy and safety of the special extract ERr 731 of Rheum rhaponticum in perimenopausal women with menopausal symptoms. Menopause. 2009 Jan-Feb;16(1):117-31.

6. Kaszkin-Bettag M, Ventskovskiy BM, Solskyy S, Beck S, Hasper I, Kravchenko A, Rettenberger R, Richardson A, Heger PW. Confirmation of the efficacy of ERr 731 in perimenopausal women with menopausal symptoms. Altern Ther Health Med. 2009 Jan-Feb;15(1):24-34.


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