Flohsamen – Indische Flohsamenschalen bei Obstipation


Hintergrund

Flohsamen (Psyllium) entstammen der Pflanze Plantago Psyllium. Die Schale und die Samen von Plantago ovata (Plantaginaceae) werden allgemein als Flohsamen bezeichnet. Unter dem Namen Indische Flohsamenschalen werden sie als natürliches Mittel zur Behandlung der chronischen Obstipation (Verstopfung) angewendet.


Wirksame Inhaltstoffe

Psylliumschale enthält einen hohen Anteil an Hemicellulose. Der Samen besteht zu 35 Prozent aus löslichen und zu 65 Prozent aus unlöslichen Polysacchariden (Cellulose, Hemicellulose und Lignin). Flohsamen (Psyllium) wird aufgrund seiner ausgeprägten Fähigkeit in Wasser ein Gel zu bilden als eine schleimbildende Faser klassifiziert (6).


Chronische Obstipation / Verstopfung

Obstipation oder Verstopfung ist ein Symptomkomplex, der sich grundsätzlich in zwei unterschiedliche Beschwerdebilder unterteilen lässt. Zum einen in die Gruppe von Patienten, die zu selten eine Darmentleerung bzw. einen Stuhlgang aufweisen (weniger als drei Stuhlgänge pro Woche) und zum anderen, diejenigen, die Schwierigkeiten beim eigentlichen Stuhlgang haben, z.B. weil sie stark pressen müssen, der Stuhlgang hart und klumpig ist oder sie das Gefühl einer unvollständigen Darmentleerung haben (7).

Ein erschwerter Stuhlgang scheint in der Praxis ein stärker ausgeprägtes Problem zu sein als die verminderte Häufigkeit der Darmentleerung.

Aus Untersuchungen ist bekannt, dass etwa 27 Prozent der Allgemeinbevölkerung subjektiv über Verstopfung klagen (7). Werden ärztliche Kriterien zugrunde gelegt, erfüllen gut 15 Prozent die Definition einer chronischen Obstipation. Frauen sind mindestens doppelt so häufig von einer Obstipation betroffen wie Männer (7).


Wirkmechanismus Flohsamen (Psyllium)

Flohsamen (Psyllium) finden vor allem als Ballaststoff Anwendung, da sie nicht im Dünndarm resorbiert werden. Durch eine rein mechanische Wirkung der Flohsamen, die überschüssiges Wasser binden und Schleim bilden, wird die normale Darmbewegung angeregt. Hauptsächliche Verwendung finden Flohsamenschalen daher als Abführmittel.

Die in den Flohsamenschalen enthaltenen pflanzlichen Ballaststoffe sind in der Lage, große Mengen an Wasser zu binden, was zu einer Volumenzunahme des Darminhaltes führt. Der dabei entstehende Druck auf die Darmwand regt die Darmbewegung (Peristaltik) an und führt schließlich zum Darmentleerungsreflex. Insgesamt verbessert sich dadurch die Motilität des Darms und die Verweildauer (Transitzeit) des Speisebreis verkürzt sich.

Viele Studien haben gezeigt, dass dieser Ballaststoff die gastrointestinale Transitzeit verkürzt und das Stuhlgewicht erhöht.


Studien zur Wirksamkeit von Flohsamen zur Behandlung der chronischen Obstipation

In einer Untersuchung einer deutschen Forschergruppe wurden 149 Patienten mit chronischer Obstipation für 6 Wochen mit täglich 15 bis 30 g Flohsamen behandelt (11). Ergebnis: Bei 85 Prozent aller Patienten, bei denen eine ärztliche Untersuchung keine pathologische Ursache für die Obstipation identifizieren konnte, besserten sich die Symptome bis hin zur vollständigen Beschwerdefreiheit. In der Patientengruppe mit einer zugrundeliegenden Erkrankung besserten sich die Beschwerden bei einem Großteil der Betroffenen nicht oder nur unzureichend. Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass funktionelle Störungen der Verdauung gut auf die Behandlung mit Flohsamen ansprechen. Erst bei einem Nicht-Ansprechen der Behandlung auf die Ballaststoffgabe, wären demnach technische Untersuchungen angezeigt, um ggf. behandelbare Erkrankungen zu diagnostizieren (11).

Eine weitere Studie bestätigt die Wirksamkeit von Flohsamen bei der Verminderung der Symptome einer chronischen Obstipation nach einem Behandlungszeitraum von 6 Wochen (5).

Die europäische Arzneimittelagentur in London hat die Wirksamkeit und Sicherheit von Flohsamenschalen im Oktober 2006 in Form eines „EU Herbal Monograph“ (6) bescheinigt. Eine Metaanalyse von klinischen Studien aus dem Zeitraum 1966 bis 2003, in denen die traditionelle Behandlung der chronischen Obstipation geprüft wurde, ergab für Flohsamenschalen einen ausreichenden Wirkungsnachweis (9).

Neuere Daten bestätigen, dass Flohsamen-Pulver, ein häufig verwendeter Ballaststoff bei Patienten mit chronischer Obstipation wirksamer ist als Placebo (7). Obwohl alle bisherigen Studien von kurzer Dauer (8 Wochen oder weniger) waren, deuten klinische Erfahrungen darauf hin, dass die therapeutischen Vorteile von Flohsamen auch bei langfristiger Anwendung aufrechterhalten werden können. Eine aktuelle Analyse schlussfolgert, dass es deutlich mehr positive Ergebnisse zur Wirksamkeit von löslichen Ballaststoffen (Flohsamen) als für unlösliche Ballaststoffe (Weizenkleie) bei der Behandlung der chronischen Obstipation gibt (7).

Dass Flohsamenschalen auch bei erschwertem Stuhlgang hilfreich sein könnten, darauf deuten Daten einer Untersuchung an 45 Patientinnen mit einer chronisch obstruktiven Obstipation hin. Die Behandlung mit 30 g Ballaststoffen oder die zweimal täglich Einnahme von 3,6 g Flohsamen führte am Ende der Beobachtungsphase zu einer signifikanten Besserung der Beschwerden bei 82,3 Prozent der Patienten (8).

In einer randomisierten Studie konnte kürzlich gezeigt werden, dass Pflaumen in Form von getrockneten Pflaumen (zweimal 50 g pro Tag über 3 Wochen) bei Patienten mit leichten bis mittelschweren Obstipationen wirksamer waren als Flohsamen (2).

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Dosierung

Basierend auf den oben genannten Studien liegt die empfohlene Dosierung für Flohsamenschalen im Bereich von 10 - 30 g täglich, aufgeteilt in mehrere Einzeldosen. Es wird empfohlen, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese im weiteren Verlauf zu steigern. Wichtig ist die gleichzeitig ausreichende Flüssigkeitszufuhr.


Verträglichkeit

Erfahrungsberichten von Ärzten und Patienten zufolge werden Ballaststoffe nicht gut vertragen. In kontrollierten Studien konnten hingegen keine auffälligen Unterschiede in der Häufigkeit von z.B. Blähungen im Vergleich zu anderen Wirkstoffen bei der Behandlung der Obstipation beobachtet werden (7). Die Einnahme von Flohsamenschalen hat sich in klinischen Untersuchungen als gut verträglich erwiesen. Es sind aber Einzelfälle bekannt geworden, in denen es zu allergischen und anaphylaktischen Reaktionen auf Flohsamen gekommen ist (3).


Weitere Wirkungen von Flohsamen (Psyllium)

Wenn gesunde Probanden täglich 18 Gramm Psylliumschalen einnehmen, erhöht sich das Stuhl-Gewicht und die Produktion von kurzkettigen Fettsäuren im Darm, insbesondere die Produktion der kurzkettigen Fettsäuren Acetat, Propionat, und Butyrat. Aufgrund seiner antineoplastischen Aktivität (Hemmung des Tumorwachstums) wird Butyrat (Buttersäure) zur Prävention von Darmkrebs angewandt. Butyrat ist zudem das bevorzugte Substrat für den Energiestoffwechsel von Kolonozyten und könnte daher auch hilfreich sein bei der Behandlung der Colitis ulcerosa. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass 20 Gramm Flohsamen täglich für drei Monate gegeben zu einem durchschnittlichen Anstieg der Butyrat-Produktion um 42 Prozent führte (6).


Cholesterinsenkung

Darüber hinaus hat die Einnahme von Flohsamen einen Cholesterin-senkenden Effekt. Auch wenn der genaue Mechanismus, durch den Flohsamenschalen zu einer Senkung des Cholesterinspiegels führen, noch nicht ganz verstanden ist, liegen Hinweise vor, dass neben einer Hemmung der Cholesterin-Aufnahme aus dem Darm auch eine Stimulation der Gallensäure-Synthese eine wichtig Rolle spielt. Untersuchungen am Menschen konnten eine Senkung des LDL-Cholesterins unter der Einnahme von Flohsamen bestätigen (10). Eine Metaanalyse auf der Basis von 21 Studien kommt zu dem Ergebnis, dass Flohsamen in Dosierungen von 3 bis 20 g täglich zu einer signifikanten, wenn auch mäßig stark ausgeprägten Senkung sowohl des LDL- als auch des Gesamt-Cholesterins führen. Die Behandlungsdauer mit Flohsamen lag in den Studien bei mindestens 2 Wochen. Die Autoren halten Flohsamen geeignet zur unterstützenden Behandlung bei leichten Formen einer Hypercholesterinämie (12).

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Diabetes mellitus

In Untersuchungen bei Patienten mit Diabetes mellitus wurden unter der regelmäßigen Einnahme von Flohsamen (Psyllium) eine Abnahme der mittleren Glukosespiegel im Tagesverlauf, aber auch direkt nach Nahrungsaufnahme beobachtet. Weiterhin wurden niedrigere Insulin- und HbA1C-Spiegel dokumentiert (1, 4, 13).


Fazit

Zur Behandlung der chronischen Obstipation, vorallem wenn sie auf eine funktionelle Störung zurückzuführen ist, kann die Einnahme von Flohsamenschalen in einer Dosierung von täglich 10 bis 30 g empfohlen werden. Nach einer Behandlungsdauer von durchschnittlich 6 Wochen wurde in kontrollierten Studien regelhaft eine Abnahme der typischen Beschwerden dokumentiert.


Literatur

1. Anderson JW, Allgood LD, Turner J, et al. Effects of psyllium on glucose and serum lipid responses in men with type 2 diabetes and hypercholesterolemia. Am J Clin Nutr 1999;70:466-473.

2. Attaluri A, Donahoe R, Valestin J, Brown K, Rao SS. Randomised clinical trial: dried plums (prunes) vs. psyllium for constipation. Aliment Pharmacol Ther. 2011 Apr;33(7):822-8.

3. Freeman GL. Psyllium hypersensitivity. Ann Allergy 1994;73:490-492.

4. Hall M, Flinkman T. Do fiber and psyllium fiber improve diabetic metabolism? Consult Pharm. 2012 Jul;27(7):513-6.

5. Hull MA, McIntire DD, Atnip SD, Dreadin J, Nihira MA, Drewes PG, Schaffer JI, Wai CY. Randomized trial comparing 2 fiber regimens for the reduction of symptoms of constipation. Female Pelvic Med Reconstr Surg. 2011 May;17(3):128-33.

6. Monograph Plantago ovata (Psyllium); Alternative Medicine Review 2002, Volume 7, Number 2, 155-159.

7. Paré P. The approach to diagnosis and treatment of chronic constipation: suggestions for a general practitioner. Can J Gastroenterol 2011;(suppl B):36B-40B.

8. Pucciani F, Raggioli M, Ringressi MN. Usefulness of psyllium in rehabilitation of obstructed defecation. Tech Coloproctol. 2011 Dec;15(4):377-83. doi: 10.1007/s10151-011-0722-4.

9. Ramkumar D, Rao SS. Efficacy and safety of traditional medical therapies for chronic constipation: systematic review. Am J Gastroenterol. 2005 Apr;100(4):936-71.

10. Stewart RB, Hale WE, Moore MT, et al. Effect of psyllium hydrophilic mucilloid on serum cholesterol in the elderly. Dig Dis Sci 1991;36:329-334.

11. Voderholzer WA, Schatke W, Mühldorfer BE, Klauser AG, Birkner B, Müller-Lissner SA. Clinical response to dietary fiber treatment of chronic constipation. Am J Gastroenterol. 1997 Jan;92(1):95-8.

12. Wei ZH, Wang H, Chen XY, Wang BS, Rong ZX, Wang BS, Su BH, Chen HZ. Time- and dose-dependent effect of psyllium on serum lipids in mild-to-moderate hypercholesterolemia: a meta-analysis of controlled clinical trials. Eur J Clin Nutr. 2009 Jul;63(7):821-7.

13. Bajorek SA, Morello CM. Effects of dietary fiber and low glycemic index diet on glucose control in subjects with type 2 diabetes mellitus. Ann Pharmacother. 2010 Nov;44(11):1786-92. Review.

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